Nachdem ich auf dem CastleCamp 2018 eine Foto-Session über Schwarz-Weiß-Fotografie gehalten habe, ist es ja sehr naheliegend, dass ich meine Lieblingsfotos in schwarz-weiß entwickelt habe. Wie schon bei der Session gesagt, ist es spannend zu sehen, wie sich der Fokus, die Bedeutung, Intension und Aussage ändern oder verschieben, wenn man sich die gemachten Aufnahmen mal ohne die Farbe anschaut. 

Was meint Ihr? Wie wirkt das CastleCamp in schwarz-weiß auf Euch?

Das Castlecamp 2018 ist vorbei und wie es in der Barcamp-Regel heißt: „you do blog about barcamp.“ Deswegen hier jetzt mein persönlicher Rückblick auf das 11. Barcamp auf der Burg in Kaprun. Mein zehntes Mal; ein Jahr haben wir auslassen müssen.

Eine Frau geht auf ein Burgtor zu durch den Nebel

Auftakt Freitag Abend

Traditionell beginnt das Castlecamp mit einem lockeren Essen am Freitagabend zum ersten Austausch und kennen lernen. Was mir bisher nicht aufgefallen ist bzw. worüber ich mir keine Gedanken gemacht hatte, wurde im Feedback-Gespräch erwähnt: Beim Castlecamp finden auch die Neuen sofort Anschluss. Auch wenn sich viele Teilnehmer schon seit zig Jahren kennen, werden Neulinge doch sofort in die Barcamp-Gemeinschaft aufgenommen. Das sollte eigentlich auf jedem Barcamp und jedem Netzwerktreffen so sein.

Zwei männliche Barcampteilnehmer unterhalten sich

Samstag Morgen

Am Samstag trafen wir uns um 9 Uhr zur Vorstellungsrunde und Sessionplanung und kleinem Frühstück. Dieses Mal waren etwa 50% Barcampneulinge im Rittersaal der Burg. Und dazu gibt es ja auch eine Regel: Wenn Du das erste Mal auf dem Barcamp bist, hältst Du eine Session. Dieser Punkt ist für viele kritisch. Da man ja das Format noch nicht kennt, weiß man ja auch nicht, was von einem erwartet wird. Von den klassischen Konferenzen kennt man ja nur die perfekt ausgearbeiteten Präsentationen oder moderierte Geprächsrunden. Aber Barcamp ist, was Du daraus machst und deswegen ist hier auch alles möglich. Solange sich jemand findet, den das ebenfalls interessiert, wird die Session statt finden.

Kaffee auf dem Castlecamp

Eine weitere Barcamp Regel ist: Wenn die Session vorbei ist, ist sie vorbei. Spätestens aber, wenn die nächste Session beginnt. Wenn Du also Dein Thema in zehn Minuten behandelt hast, dann ist das auch okay. Man muss nicht eine Stunde voll bekommen. Wenn es viele kleine Themen gibt, dann kann man auch eine Lightningtalk-Session anbieten. Diese eigenet sich auch dazu, Projekte vorzustellen. 

Eine Barcampteilnehmerin stellt sich vor

Beim Castlecamp 2018 verlief die Vorstellungsrunde sehr diszipliniert mit Name, Unternehmen und drei Tags. Da sich jeder daran gehalten hat, war sie schnell vorbei und der Sessionplan stand auch recht schnell.

Ein Barcampteilnehmer steht vor dem Sessionplan

Samstag: 1. Session

Die erste Session für mich war: Pimp my you tube channel. Hier bekamen wir etliche Tipps, um die Sichtbarkeit auf der ‚Suchmaschine‘ YouTube zu erhöhen. Von der durchgängigen Keyworld-Wahl über Untertitel, das richtige Vorschaubild und eingeblendete Aktionen bis hin zum Abspann, hörte ich viel Neues. Auch das Thema Analyse, ob jetzt mit dem integrierten Tool oder einem kostenpflichtigen Zusatzprogramm, lernten wir viele Tipps und Tricks. Ich werde sicher nicht alles umsetzen, weil 45 Minuten für die Einstellungen zu jedem Video hab ich einfach nicht. Aber einige Tipps habe ich bereits bei einem Video eingearbeitet und werde sie hoffentlich beibehalten.

Samstag: 2. Session

Ein Barcampteilnehmer hält eine Session

Die nächste Session am Samstag Vormittag war eine Information über Cloud-Dienste. Wie sehen solche Server-Farmen überhaupt aus? Wie werden sie miteinander verbunden? Was passiert bei einem Ausfall? Und wie sieht die Zukunft aus? Sehr spannend.

Samstag: 3. Session

Eine Session auf der Burg Kaprun beim Castlecamp

Die dritte Session interessierte mich auch sehr, ändert doch twitter bald seine Regeln und wird Drittanbietern quasi den Hahn zudrehen: Kuratieren ist tot – es leben das Kuratieren von Günter Exel. Er stellte dar, wie sich die Regeln in den letzten Monaten geändert haben. Welche Dienste eingestellt oder nutzlos wurden und wie man sie zum Teil unter erheblichem Mehraufwand ersetzen kann. Statt Storify kann man nun Wakelet nutzen und um Tweets zu einem bestimmten Event zu sammeln, kann man diese mit einem Zweitaccount liken und über eine Like-Liste darstellen. Einiges ist gut nutzbar anderes sehr aufwendig. Mal sehen, für was ich mich in Zukunft entscheiden werde.

Buffet beim Castlecamp

Samstag: 4. Session

Nach dem – wie immer sehr üppigen Mittagessen – gab es fast schon traditionell eine Mitmach-Session von Achim zum Thema Schwarz/Weiß-Fotografie. Hier ging es darum durch die Begrenzung auf s/w noch mehr den Fokus auf die Bildaussage zu legen. Mit einigen praktischen Übungen haben wir bei strahlendem Sonnenschein Details der Burg fotografiert und andere Teilnehmer portraitiert. Auf jeden Fall hatten wir wieder viel Spaß und waren erstaunt, wieviel deutlicher ein Motiv in den Vordergrund rückt, wenn man auf Farbe verzichtet.

Samstag: 5. Session

Teilnehmer beim Castlecamp

Das nächste Thema war „Overtourism“. Erschreckend was einige Destinationen über die Situation vor Ort während der Hauptsaison erzählten. Das Thema wird uns sicher in den nächsten Jahren noch beschäftigen mit all seinen Nachteilen: Müll, Verkehrschaos, steigende Grundstückspreise oder Mieten usw. Eine richtige Lösung hatten wir nicht zur Hand aber einige Vorschläge wie Kontigentierung, Preiserhöhungen oder Aufkflärung und Bildung.

Samstag: 6. Session

Eine Teilnehmerin meldet sich zu Wort

Weiter ging es zum Thema „Monitoring“. Was wird benutzt? Was funktioniert? Was nicht? Einmal geht es um die Zahlen und die KPIs. Aber es geht auch darum: Was wird über mich gesagt? Wer schreibt über mein Hotel oder meine Destination was auf welchem Kanal? Hier gibt es auch verschiedene Tools. Gratis und natürlich auch kostenpflichtig. Google Alert und Talkwalker sind Einsteigermöglichkeiten und decken schon einiges ab.

Samstag: 7. Session

Jeman macht ein Foto mit dem Smartphone

Die letzte Session war dann die „visuelle Suche“. Ob sich das Suchen nach Informationen über ein Foto durchsetzen wird? Man könnte ein Restaurant fotografieren und das Bild hochladen, um dann ähnlich wie bei einem QR-Code zu einer Seite gelangen, auf der ich dann zum Beispiel einen Tisch in diesem Restaurant buchen könnte. Oder ich erhalte Informationen zu einer fotografierten Skulptur. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Es ist sicher einfacher als ein QR-Code, aber wie bei anderen digitalen Angeboten scheitert vieles an der nicht vorhandenen Bandbreite. Google lens ist hier ein Angebot.

Samstag: Whisky- & Bier-Tasting

Whisky wird in ein Glas eingeschenkt beim Castlecamp

Ebenfalls Tradition hat am Samstag ein Bier- und  Whisky-Tasting. Ich habe es ausgelassen und lieber die Sonne und einige Gespräche im Burghof genossen. Diese kleinen Gespräche am Rande machen einen Großteil von Barcamps aus. Hier kann man sich gut austauschen und vernetzen.

Samstag Abend

Barcampteilnehmer im Gespräch beim Castlecamp

Der Samstagabend klang in einem Restaurant bei weiteren Gesprächen – leider wieder ohne Barcamp-Band – feucht-fröhlich aus. Einige vertieften den Austausch noch in Hotelbars, aber wir wollen hier nicht ins Detail gehen. 

Sonntag

CastleCamp 2018 - cczk18 by Achim Meurer.

Am Sonntag ging es wieder recht früh los. Um 9 Uhr gab es die nächste Sessionplanung. Einige Vorschläge vom Vortag waren noch übrig und es gab weitere Angebote. 

Sonntag: Session 1

AlmCamp 2018 - #alm18 by © AchimMeurer.com.

Hier wählte ich zuerst natürlich die Session zum „Almcamp“. Es ging um die Frage, ob wir noch mal eins veranstalten wollen und wenn ja, wie man es organisiert. Die Probleme liegen bei der bürokratischen Seite. Wer ist Veranstalter? Wie wird das Geld verbucht? Wer fungiert als Reiseleiter, weil hier Leistungen verknüpft werden? Fazit: Es soll ein Almcamp 2019 geben. Vorschläge für Almhütten gibt es bereits und ein Reiseveranstalter prüft, ob er die Organisation übernehmen kann. Wunderbar.

Sonntag: Session 2

Sonniger Burghof beim Castlecamp

Bei der nächsten Session-Auswahl hat mich nicht wirklich ein Thema angesprochen und so habe ich die Sonne und etwas Ruhe im Burghof genossen. 

Sonntag: 3. Session

Barcampteilnehmer mit dem Smartphone

Zuletzt war ich dann bei der Session OpenStreetMap um zu erfahren, ob man denn nun leichter Informationen in die Karte eintragen kann, die rein von Nutzern gepflegt wird. Es sieht deutliche einfacher aus, als noch vor zehn Jahren und ich werde sicher mal etwas einpflegen, wenn ich zum Beispiel beim Joggen vor einem Hindernis stehe oder einen anderen groben Fehler entdecke.  Hier sollte wirklich jede Destination die eigenen Karten überarbeiten und regelmäßig pflegen. Schließlich greifen sehr viele Anbieter auf das Datenmaterial von OSM zu. Wenn die Daten gut gepflegt sind ersparen sich Touristen Irrfahrten und können sich ihre Wandertouren oder Radrouten individuell zusammen stellen.

Feedback-Runde

Ein Barcampteilnehmer mit Mikrofon beim Castlecamp

Bei der Feedbackrunde ging es dieses Mal um das Thema Nachhaltigkeit. Wie kann man die riesigen Mengen an Plastikmüll vermeiden? Und wie kann man die Neulinge besser einbinden und ihnen die Angst vor einer Session nehmen?

CastleCamp 2019

Die Burg Kaprun beim Castlecamp

Bleibt nur noch zu sagen. Der nächste Castlecamp-Termin ist am 6. – 8.9.2019

Rainer Edlinger beim Castlecamp

Danke an alle Sponsoren und Rainer Edlinger und sein Orgateam.

Noch mehr Blogposts vom CastleCamp

„Die Schernau“ ist ein Alten-, Pflege- und Übergangsheim mit einer langen Historie. Leider ist im Laufe der Jahrzehnte der Ruf der Einrichtung nicht der Beste gewesen. Öffentlichkeitsarbeit war früher eher unbekannt und so kommt es, dass bis heute die Menschen ein recht negatives Bild von der Einrichtung haben. Was sich alles in den letzten Jahren dort getan hat, hat dagegen kaum jemand mitbekommen. Und wie das so ist, hält sich das negative Image hartnäckig.

Eine Pflegerin wendet sich einem Bewohner zu und berührt ihn mit der Hand
Schernau-2018_5605 by AchimMeurer.com.

Unsere Aufgabe war es, die Schernau mit ihren Eigenheiten und Aufgaben darzustellen. Es war unser zweiter Aufenthalt. Beim ersten Mal haben wir schon recht viel Material gesammelt, so dass der neue Webauftritt schon fast ausschließlich Bildmaterial der Meurers enthält.

Die Schernau

Die Aufgaben waren:

  • Tätigkeiten darstellen
  • Einwohnerprogramm abbilden
  • Mitarbeiter- und Vorstandsfotos
  • Gebäudefotos innen und außen
  • Ausstattung zeigen
  • Beobachten und Hinterfragen

Zunächst gab es – wie immer – ein ausführliches Briefing

Die Herausforderung war, den Betriebsablauf so wenig wie möglich zu stören und ihn aber doch abzubilden und die Einwohner respektvoll in Szene zu setzen. Weiterhin galt es, die Mitarbeiter zu Einzelfotos zu überreden, denn kaum jemand möchte gerne fotografiert werden.

Eine Pflegerin bringt frisch gewaschene Wäsche eines Bewohners
Schernau-2018_5375 by AchimMeurer.com.

Am ersten Tag sind wir durch die gesamte Einrichtung gezogen und haben uns überall vorgestellt und von den Plänen für die nächsten Tage erzählt. Auch die Bewohner sollten Zeit haben, sich an uns zu gewöhnen.

Wir brauchten Namenslisten und Pläne, da ja bedingt durch den Schichtdienst jeweils unterschiedliche Mitarbeiter vor Ort sind. Neben diesen Plänen ging es auch um die Darstellung von Tätigkeiten und Ausstattung. Hier brauchten wir die Anregungen und Vorschläge der Mitarbeiter, da wir diese speziellen Dinge nicht kennen. Weil wir die Menschen gerne bei ihrer Arbeit zeigen, mussten wir auch hier wieder ganz ganz viele Fragen stellen, um herauszufinden, wann und wie jemand was macht.

Besonders schwierig war es, einzelne Personen abbilden zu können. Viele mögen sich selber nicht gerne auf Fotos sehen oder haben in Kindheit oder Vergangenheit sogar ziemlich negative Erfahrungen mit Bildern gemacht. Hier brauchten wir viel vorsichtige Überzeugungskraft, um die Menschen vor die Kamera zu bekommen.

Ein Pfleger und eine Pflegerin sprechen über Medikation.
Schernau-2018_5759 by AchimMeurer.com.

Ganz wichtig ist erst Mal reden und hinterfragen. Dann kann man auf die spezifischen Bedenken eingehen. Sehr sehr wichtig ist auch, das Foto sofort zu zeigen und zu besprechen, ob es so okay ist oder ob es neu gemacht werden soll. Wir haben auch herausgefunden, dass das Agieren vor einer Kamera für viele einfach ungewohnt und fremd ist. Sie wissen nicht, was sie tun sollen. Diese Unsicherheit wirkt sich sofort körperlich aus und die Personen werden steif, verkrampfen und halten den Atem an.

Hilfreich ist tatsächlich die Personen bei der Arbeit aufzunehmen, weil sie da in ihrer gewohnten Tätigkeit sind und sofort locker werden und gelöste Gesichtszüge bekommen. Der Gruppenzwang ist auch nicht zu verachten. Sobald jemand aus einem Team Fotos ablehnt, lehnen auch die restlichen Teammitglieder schnell ab. Umgekehrt funktioniert der Gruppenzwang aber auch und so boten sich im Laufe der Zeit immer mehr Teams, Mitarbeiter und Einwohner für Fotos an.

Eine Pflegerin beugt sich zu einem Bewohner und erklärt etwas mit einer Handgeste
Schernau-2018_5415 by AchimMeurer.com.

Gut, dass wir jeweils so lange vor Ort sind und uns in die Einrichtung einfügen können. Die Aufenthaltszeit ist auch gut für Wiederholungen und um Wetterkapriolen auszugleichen, zum Beispiel bei den Außenaufnahmen. Aber auch bei den Tätigkeiten. Beim ersten Mal schauen wir uns an, was gemacht wird und überlegen dann, wann wir es am Besten dokumentieren können.

Auch hier wurde unser Zeitplan oft verändert, da zum Schichtwechsel zwar viele Mitarbeiter für Fotos bereit stehen, gewisse Arbeiten und Handgriffe zu der Zeit aber gar nicht mehr gemacht werden. Hier braucht es viel Organisationsarbeit und sehr gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen.

Was wir bei unserer Arbeit erleben, sehen und mitbekommen, halten wir in einer Art Protokoll fest. Auch wie wir uns fühlen und was wir für Eindrücke bekommen haben, berichten wir. Denn auch das ist wichtig für das Employer Branding. Schöne Fotos alleine reichen nicht aus. Es muss alles stimmig sein. Und so sind unserer zusätzlichen Beobachtungen sehr wichtig für den Auftraggeber.

Ergebnis
208 Fotos
4 Videos
Umfassendes feedback