Your address will show here +12 34 56 78
Fotografie

Wir waren gebucht vom Hotel Haldensee, was gerade zwei Tage geöffnet hatte und dringend Zimmerfotos brauchte. Eine echte Herausforderung für alle Beteiligten. Mit guter Planung und viel Flexibilität kann es sehr wohl gelingen. Und wenn dann noch das Wetter mitspielt, kann nichts mehr schief gehen.

Wie geht's?

Aber wie macht man eigentlich Fotos bei einer Hotelneueröffnung? Das ist gar nicht so einfach, aber natürlich notwendig. Wenn nach langer Bauphase das Hotel endlich Gäste empfangen kann, dann ist es für alle Beteiligten neu und aufregend.

Und gleichzeitig braucht die Unterkunft Fotos von den Zimmern, Wellnessabteilung, Restaurant und sonstigen Einrichtungen. Bisher wurde mit Zeichnungen oder Renderings geworben. Aber jetzt ist alles fertig und da möchte man echte Aufnahmen zeigen.

Hier ein paar Tipps, wie die Zusammenarbeit auch im Eröffnungsstress gut laufen kann.

Agentur einbinden

Gerade bei Neueröffnung weiß die Agentur, was sie genau an Bildmaterial braucht. Am besten ist eine Liste mit gewünschten Motiven. Und eine Priorisierung. Denn beim ersten Mal kann man kaum das gesamte Hotel durchfotografieren. Einmal reicht die Zeit nicht und weiter fehlen bei Eröffnung sicher noch einige Kleinigkeiten.h

Entscheider bereitstellen

Chef oder Chefin haben gerade im Anfangsbetrieb keine Zeit, den Fotografen zu begleiten und über Perspektiven und Motive zu diskutieren. Am besten eine Vertrauensperson bereitstellen, die den Fotografen bei seiner Arbeit begleitet. Die Perspektive kann dann immer noch über WhatsApp oder ähnliches von dem Entscheider abgesegnet werden.

Checkliste zur Vorbereitung nicht zu früh schicken

Normalerweise schicken wir unsere Checkliste zur Vorbereitung für Hotelfotos schon weit vor dem Termin, damit sich alle Beteiligten rechtzeitig vorbereiten und auf das Fotoshooting einstellen können. Kurz vor einer Neueröffnung würde dieses Dokument aber untergehen. Schließlich sind zu dem Zeitpunkt tausende von Entscheidungen zu treffen und Dinge zu erledigen. Wir haben das Dokument diesmal erst bei Ankunft besprochen und übergeben. 

Ruhe bewahren

In einem eingespielten Hotel ist es einfacher, mal eben das Putzlicht in der Sauna einzuschalten als in einem nagelneuen Betrieb. Hier sollte man längere Zeiten einplanen. Schließlich ist alles neu. Die Bedienelemente werden noch nicht wirklich beherrscht und die Anforderungen eine Fotografen sowieso noch nicht bedacht. Also heißt es Geduld bewahren, bis die richtige Person und der richtige Knopf gefunden ist. Eventuell funktioniert die Lichtanlage sowieso noch nicht wie gewünscht.

Auf Pannen einstellen

Es kann immer mal etwas schief gehen. Bei einer Neueröffnung geht aber ganz sicher etwas schief. Das sollte man mit einplanen und den Zeitplan nicht zu straff gestalten. Wenn die Motivliste gut bestückt ist, dann kann man auf andere Motive ausweichen und diese vorziehen.

Kommunikationslücken

Ein neues Haus bedeutet auch neues Personal und unbekannte Abläufe. Kein Wunder, dass da in der Kommunikation auch einiges schief läuft. Schließlich klappt die in langjährigen Betrieben auch manchmal nicht. Bei der Hotelneueröffnung geht da auch ganz sicher einiges daneben. Also tief durchatmen, wenn das Fotoshooting der Bar genau gleichzeitig angesetzt wird wie der Begrüßungscocktail mit den Gästen und somit ausfällt. Auch hier sollte man flexibel bleiben und auf andere Motive ausweichen. 

Fazit

Wenn alle ruhig bleiben und Fehler mit einplanen und verzeihen, gelingt auch die Hotelzimmerfotografie bei der Neueröffnung. 

0

BarCamp

Endlich haben wir es mal wieder zum Barcamp Südtirol geschafft. Beim aller ersten Mal waren wir dabei und dieses Jahr dann endlich wieder. 

Zunächst hatten wir ein paar Probleme mit unserer Hotelbuchung. Nach einer Stornierung haben wir dann schnell eine schöne Ferienwohnug direkt beim Kurhaus gefunden. Und schon konnte es losgehen.

Das Get-Together war auch 2019 noch sehr überschaubar. Insgesamt waren wir zu dritt.

Am ersten Barcamp-Tag war der Saal im stattliche Kurhaus aber dann prall gefüllt. Schön zu sehen, dass das Barcamp so gewachsen ist. Die Sessionplanung war etwas verhalten, aber es gab genügend interessante Themen. 

Hier die Sessions, die ich besucht habe:

Sport & Ernährung

Es ging gleich los mit einigen sehr einfachen Übungen, die man auch im Hotelzimmer oder auf Reisen machen kann. Sehr schön. Weiterhin habe ich gelernt, dass auch eine Baumumarmung Sport ist, weil dabei Glückshormone ausgeschüttet werden. Eine Idee, die ich verfolgenswert finde war: Zur Hotelkundenbindung kleine Videos mit dem Fitnesstrainer für zu Hause machen. So bleibt man als Unterkunft immer im Gedächtnis.

Bisher hat sich noch keiner beschwert

Das war meine eigene Session. Ich habe ein paar Themen aus dem Buch aufgegriffen und erneut bestätigt bekommen, dass es in Unterkünften eine Menge kleiner Ärgernisse gibt, die man eigentlich vermeiden könnte. Aber wie meinte eine Teilnehmerin: “Der Rezeptionistin ist der Gast scheißegal.” Hier gibt es noch einiges zu tun. Gerade bei den kleinen emotionalen Dingen, die dem Gast den Aufenthalt etwas netter gestalten könnten. 

Erlebenishandwerk

Die Ankündigung klang sehr interessant. Eine Plattform für traditionelles Handwerk in Südtirol. Eigentlich genau unser Thema. Allerdings entpuppte sich die Session als Anfrage für Gratisberatung. Das ist nicht wirklich Barcamp-like. Deswegen bin ich auch gegangen. Hätte man erst mal erklärt, was man bisher alles unternommen hat und auch Zahlen genannt, wäre es deutlich besser gewesen. Aber zu sagen: Hier ist meine Plattform. Erzählt mir mal, was ich besser machen kann, war doch etwas sehr plump. 

Nach dem Mittagessen auf der Terrasse an der Promenade in Meran ging es weiter mit einer Keynote

Instagram und Influencer

Es gab interessante Einblicke zur Zukunft von Instagram und facebook. Es geht mehr zum direkten Kontakt oder in geschlossene Gruppen. Der eins-zu-alle-Post wird immer mehr verschwinden. Bei instagram wird es die Möglichkeit zum Direktkauf geben. Vorerst für Produkte, aber Dienstleistungen werden sicher folgen. Allerdings sollen auch Spenden möglich sein. Ob nur an vorgegebene Organisation oder auch an selbstgewählte, konnte ich nicht herausfinden. Influencer werden wohl weiterhin eine große Rolle spielen. Statt simpler Followerzahlen und Likes (die wohl nicht mehr angezeigt werden) soll es vermehrt um Engagement gehen. 

Internet of Things

Aus dieser Session habe ich mitgenommen, dass die User sich immer noch schwer tun, eine App auf dem eigenen Gerät zu installieren. Bluetooth ist hingegen kein Problem mehr. Das braucht man ja täglich zum Musikhören oder zum Telefonieren im Auto. Das ist bekannt. GPS hingegen ist oft zu ungenau. Als Beispiel wurden zwölf Stationen in einem Chorraum in einer Kirche gezeigt, an denen man Informationen erhalten konnte.

Visual Storytelling

Wir wissen es eigentlich schon. Geschichten wirken. Ein Satz der hängen geblieben ist: Wir merken uns nicht die Namen von Personen sondern deren Geschichten. Hier haben auch ein bißchen zeichnen gelernt.

Better Photos

Achim hat über sein Lieblingsthema gesprochen: “Ganz nah ran.” Und er hat alle wieder raus auf die Terrasse gelockt.

ADAC Reise-App

Der ADAC plant eine umfassende Reiseapp, die die bisherigen Reisedienstleistungen wie Karten-Set oder Reiseroutenplanung auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten zusammen fassen soll. Hierfür werden vor allem noch touristische Daten gebraucht. Wie hieß es so schön: Egal ob open oder closed; Hauptsache Data!

Und damit war Tag eins auch schon beendet und es ging zum Apero und Netzwerken in eine nahe gelegene Szenebar.

Tag 2

Tag 2 fühlte sich fast an wie “almcamp”. Da nur noch wenige Teilnehmer da waren, gab es nur noch einen Session-Slot. Und so waren alle Barcamper in jeder Session anwesend. 

Virtual Reality

Einige Leute durften eine Brille testen und es es wurden Möglichkeiten und Projekte vorgestellt. 

CC0-Lizenzen

Da Südtirol in letzter Zeit immer als Vorzeigebeispiel für CC0-Lizenzen in der Fotografie dargestellt wird, hat Achim mal seine Sicht der Dinge als Fotograf dargestellt und die Gelegenheit genutzt, Touristiker und einen anwesenden Kollegen nach den Erfahrungen zu fragen. Dabei wurden einige Dinge relativiert.

Es gibt kein Gesetz, das vorschreibt, dass Fotos, die mit Steuergeldern finanziert werden CC0 lizenziert sein müssen. Die Fotografen sind zurückhaltend und die Preise für Fotos unter der Lizenz sind gestiegen. Lediglich im Veranstaltungsbereich haben sich solche Fotos durchgesetzt und dort sind die Preise nach einem anfänglichen Anstieg wieder gesunken. Touristiker fragen vermehrt nach der Lizenz, vor allem, weil bisherige Fotos gar keine Nutzungsrechte haben. Dies ist in der Vergangenheit versäumt worden. Und mit Blick auf die Zukunft, möchte man jetzt möglich umfangreiche Nutzungsrechte.

Das Wissen über die sehr schwierigen rechtlichen Gegebenheiten war unterschiedlich und in der Diskussion wurden erneut Begriffe wie Urheberrecht, Nutzungsrecht und Exklusivrecht durcheinander geworfen und verwechselt. Fazit: Es ist kompliziert und es besteht viel Klärungs- und Aufklärungsbedarf. Aber von Vorzeigedestination Südtirol kann im Zusammenhang mit diesem Thema keine Rede sein. 

Wir hatten über das Thema ja auch schon hier geschrieben.

Social Media in der Kritik

In dieser Session ging es um die negativen Seiten von Social Media. Die Dienste haben sich leider von den Hoffnungen der Anfangszeit auf ein freies vernetzendes Internet wegentwickelt zu schnöden Verkaufsplattformen. Einige Firmen kehren den Diensten schon den Rücken und es ist fraglich, ob sich dezentrale Dienste wie Mastodon durchsetzen werden. Das Indieweb ist noch zu kompliziert. Aber hoffentlich werden uns Blogs noch lange erhalten. 

Erlebnis-Box

Einige haben sich an ein Erlebnis-Quiz gewagt. Ich war leider nicht dabei und kann nicht viel dazu sagen.

Herausforderungen beim Aufbau digitaler Datenstrukturen

Ähnlich wie die CC0 Lizenz gibt es noch eine ganze Reihe Herausforderungen beim Aufbau digitaler Datenstrukturen. So arbeiten gleich einige Destinationen an solchen Strukturen und es gilt einheitliche Standards zu finden. Fazit: Es gibt sehr viel zu tun, aber es lohnt sich. 

Fazit

Ein tolles Barcamp. Warum haben wir eigentlich eine so lange Pause gemacht? Beim nächsten Mal sind wir wieder gerne dabei. Ich fand es sehr schön, dass es dreisprachig war. Und die Sessionsprache hat sich ganz selbstverständlich ergeben. Sehr schön! Bitte mehr davon. Eine Barcamp-Regel müssen wir noch einführen: “Alle Teilnehmer sind per Du.”

Danke an die Organisatoren und die Sponsoren und an alle Teilnehmer.

#bsc19

0

Workshop

So hieß der Vortrag von Achim auf der 16. Tourismusbörse in Bad Schandau. Im Nationalparkzentrum haben sich rund 70 touristische Akteure präsentiert und es wurden die ersten fotografenfreundlichen Betriebe ausgezeichnet. Zusätzlich gab es noch drei Vorträge im Programm.

Einer davon hieß eben “Eindrucksvolle Werbung mit Guten Fotos”.

Uns fällt immer wieder auf, wenn wir Websiten betrachten oder selbst eine Unterkunft suchen, dass wir verzweifelt auf der Suche nach Fotos sind.

Wie sieht das denn aus? 

Das ist heutzutage wohl die wichtigste Frage? Wie sieht das Hotel von außen aus? Wie sieht die Ferienwohnung aus? Aber leider bekommt man sehr oft auf diese Frage keine Antwort. Oder nur schwammige Antworten; im übertragenen Sinne. Die Fotos sind klein, sehr klein. Und sie lassen sich nicht vergößern. Sie sind unscharf oder zu dunkel. Die Fotos zeigen nicht, was mich als potentiellen Gast interessiert. Und sie zeigen nicht die Zusammenhänge. Ist das jetzt das Schlafzimmer im ersten Stock? Und kommt man von da auf den Balkon? 

Was ist das wichtigste an einer Unterkunft?

Das ist eindeutig das Bett und das Dach überm Kopf. Dann zeigt das bitte auch gleich, wenn ich auf die (Buchungs-)seite komme. Wie oft sehen wir bei großen Buchungsportalen zunächst unwichtige Details wie Blumendeko oder Seifenschale im Bad, bevor wir mal einen Blick auf das Haus, geschweige denn auf ein Zimmer erhaschen können. 

Und wenn es dann Fotos gibt, versuchen wir Details zu erkennen. Hat die Küche eine Spülmaschine? Mist da steht die Blume davor auf dem Küchentisch. Das kann ich nicht erkennen. Welches Haus auf dem Foto ist es denn jetzt? Ist das das Hotel? Da steht gar nichts dran. 

Deswegen hier ein paar Tipps für die Eigendarstellung mit Bildern:

1.  Große Fotos. 

Wenn es kleine sein müssen, dann sollten sie mit einem Klick zu vergrößern sein.

2.  Das Haus von außen

Am besten so, wie man es bei der Anreise sieht. Dann erkennt man es leicht wieder.

3.  Das Zimmer/Die Wohnung

Das ist es, wofür der Gast sein Geld ausgeben soll. Zeige das ganze Zimmer aus verschiedenen Perspektiven.

4.  Zeige den USP

Tja, hier fangen jetzt einige an zu überlegen. Macht das! Und dann zeigt das!

5.  Fokus

Wenn Du ein bestimmtes Detail darstellen willst, dann zeige es auch. Lasse alles unnötige drumherum weg. Geh ganz nah ran!

6.  Grundriss

Wenn es keinen Grundriss von Wohnung oder Zimmer gibt, dann zeige mit Fotos die Zusammenhänge. Lass die Türen leicht offen stehen, damit man sieht, dass man von hier in einen weiteren Raum gelangt. Zeigen dann den nächsten angrenzenden Raum auf dem Foto.

7.  Sortieren

Zeige die Bilder in der logischen Reihenfolge. Also springe nicht vom ersten in den zweiten Stock und wieder zurück. Wechsle nicht zwischen draußen und drinnen ab. 

8.  Beschriftungen

Wenn es auf den Fotos nicht eindeutig darstellbar ist, dann beschrifte die Fotos. Oder nutze Überschriften: Das Erdgeschoss. Der Garten. Das Bad vom Schlafzimmer aus zu erreichen. Male einen Pfeil oder einen Kreis um die Fenster Deiner Ferienwohnung. 

9.  Ordnung

Räume auf. Wenn zu viel in einem Bild zu sehen ist oder Sachen unordentlich sind, dann fällt es dem Betrachter schwer seinen Blick zu fokussieren. Wenn Du die Wohnung zeigen willst, dann zeige sie. (s. auch Punkt 5) 

10. Ehrlichkeit

Sei ehrlich. Zeige alles, so wie es ist. Wenn direkt nebem dem Haus eine Straße verläuft, dann zeige sie. Spätestens wenn der Gast da ist, wird er sie sehen (und hören). Oder er schaut vorher schon auf google maps nach. Retuschiere nichts weg. Aber verweise zum Beispiel auf Deinen neuen Schallschutzfenster.

Dieser Vortrag kann gerne bei uns gebucht werden.

Er besteht aus einem einführenden Teil mit vielen Erläuterungen und Bildbeispielen und einem zweiten interaktiven Teil. Hierbei können Teilnehmer aus dem Publikum ihre eigenen Seiten vorstellen und vom Moderator sowie von allen – nun sensibilisierten – Anwesenden Meinungen zum eigenen Angebot einholen.

Und nebenbei entstehen sehr interessante Diskussionen, die dem touristischen Unternehmen wertvolle Rückmeldungen geben. Auch ist es ein große Chance zum Netzwerken.

Ihr habt Interesse? Schreibt uns eine E-Mail oder ruft einfach an!

0

Fotografie

In letzter Zeit hören wir häufiger, dass alle Fotos nur noch unter CC0 Lizenz veröffentlicht werden sollen. Destinationen wird geraten von ihren Fotografen nur noch Bilder mit CC0 Lizenz anzukaufen. Oder wenn öffentliche Gelder für Fotos verwendet werden, dann müssen diese in CC0 Lizenz vergeben werden.

Alles gut?

Das hört sich ja ganz nett an. Aber es gibt da ein paar Pferdefüße.

Zunächst gibt es die Annahme, dass CC0 in Deutschland gar nicht möglich ist, weil man die Urheberrechte nicht abgeben kann. Selbst, wenn man wollte. Es geht nicht.

Plattformen verabschieden sich von CC0

Weiterhin haben in letzter Zeit einige Plattformen, die bekannt dafür waren, dass sie Fotos gratis zur Verfügung stellen, sich von der CC0 verabschiedet.

Unsplash, war dabei.Sie haben jetzt eine eigene Lizenz geschaffen. Pixabay hat es ebenso vorgezogen, eine eigene Lizenz zu vergeben. Und 500px hat sich auch komplett von CC Lizenzen abgewandt. Wenn diese Plattformen schon von dieser Idee abkommen, warum sollen Fotografen dann in Zukunft alles unter diese Lizenz stellen?

Was könnte passieren?

Viele Hobbyfotografen stellen ihre Fotos unter CC Lizenzen zur Verfügung mit dem Argument, dass sie damit kein Geld verdienen möchten. Und es ist schön, wenn ihre Bilder gesehen oder sogar genutzt werden. Blogger suchen Fotos für ihre Beiträge und Schüler brauchen etwas für ihr Referat und der Mitarbeiter muss seine Power-Point-Präsentation noch mit ein paar Bildern aufpeppen. Wie schön. Wir haben uns alle lieb. 

Andere Nutzung

Aber was passiert, wenn Du bemerkst, dass Dein Foto von einer Partei oder einem Verein, deren Werte Du überhaupt nicht teilst als Plakat benutzt wird? 

Vor einigen Tagen haben wir eine Mail bekommen mit dem Hinweis, dass eins unserer Fotos für eine rechte Vereinigung genutzt wird. Tja. Da kommt man schon ins Grübeln. Will man das?

Möchte die Destination, dass ihr Flaggschiff, das Schloss, der Hausberg, der See, die Kirche, das Kulturgut für Parteienplakate oder Profilbielder auf facebook verwendet wird? Oder als Werbung? Möchtest Du mit Deinem schönen Portraitfoto die neue Potenzmittelwerbung sein? Oder für Scheidenpilz oder Hämorriden werben?

Oder ist es für Dich okay, dass Dein Porträtfoto gerade von IBM genutzt wird, um deren Software zu Gesichtserkennung zu trainieren? Das Bild Deiner Freundin im Sonnenuntergang, wo das Licht so schön auf ihre wehenden Haare fällt? Oder das niedliche Kinderbild von Deinem Sohn? Eines unter tausenden Flickr-Bildern, die jetzt dafür verwendet und sogar weiter gegeben werden, weil war ja unter CC Lizenz.

Dein lustiges Karnevalsbild im Minirock findet sich als Coverbild zu einem Porno. Das mystische Bild der Burgruine wird in einem Ego-Shooter-Spiel verwendet. Dein Hochzeitsbild wirbt für einen Scheidungsanwalt. Dein romantisches Dinnerfoto ist verfremdet worden und dient jetzt als Horrorfoto.

Andere Verortung

Es kann auch sein, dass Dein Foto für einen ganz anderen Ort hergenommen wird. Die Grazer Oper wird so plötzlich zur Frankfurter Oper. Oder Dein tolles Fachwerkhaus steht nicht mehr in Deiner Stadt sondern wird per Bildunterschrift woanders hin versetzt. Auch das passiert leider sehr oft. Da ist dann ein österreichischer Berg in der Schweiz oder ein deutscher See plötzlich in Südtirol. Alles ist möglich

Veränderungen und Bearbeitungen

Verfremdungen, Bearbeitungen, Ausschnitte… Alles ist möglich. Alles ist erlaubt. Wirklich alles. Wo ist die Grenze?

Du hast Dir etwas gedacht bei dem Bild. Hast Ausschnitt und Blende und Perspektive mit Bedacht gewählt. Die Destination hat eine eigene Bildsprache entwickelt. Das Hotel hat das CI für sich genau festgelegt. Und jetzt wird das alles einfach verändert. Übermalt, farblich stark verfremdet. Teile werden weggeschnitten. Das Motiv wird aus dem Zusammenhang gerissen. Die Konkurrenz wirbt mit Deinem Kulinarik- oder Eventfoto. 

Will man das? Hier hört es dann meistens auf. Also das will man dann doch nicht. So war das nicht gemeint mit der Lizenz. Das war nur gut gemeint, für ein paar nette Blogger und Schüler, aber doch nicht als Witz oder Horrorfoto. Das können die doch nicht mit meinem schönen Bild machen. Machen sie aber. Und dürfen sie auch.

Denkt mal drüber nach. Wollt Ihr das wirklich?

2

Fotostory

„Die Mandelblüte hat begonnen“

So stand es in den zahlreichen Gratisblättchen, die es hier an der Costa Blanca überall in den verschiedensten Sprachen gibt. Dieses Jahr wäre es recht früh. Normalerweise blühen die Bäume erst im Februar. Und dann wurden da noch eine handvoll Orte erwähnt, wo man das Spektakel erleben könnte.

Okay. Mandelblüte klingt toll. Klingt farbenfroh, klingt nach Frühling und Überschwang. Nach berauschenden Eindrücken und überwältigenden Bildern. Da müssen wir hin!

Recherche

Erste Recherche: Internet. Gibt es spezielle Spots für Mandelblüte? Oder gar eine Mandelblütenstraße oder -route? Fehlanzeige. Nächste Anlaufstelle Tourismusbüro. Die freundliche Dame markiert ein größeres Areal auf der Touristenkarte und erzählt uns noch, dass sie jeden Tag bei der Heimfahrt Mandelbäume blühen sieht. Auch ihren Heimweg markiert sie auf der Karte.

1. Anlauf

Wir fahren los. 4. Januar. Wir fahren die Orte an, die in dem Zeitungsartikel genannt wurden. Am Straßenrand vereinzelte Mandelbäume, manche tragen ein paar Blüten. Als wir Hunger bekommen, kaufen wir Käse, Brot und Schinken in einem Tante-Emma-Laden. Auch hier fragen wir nach der Mandelblüte. Die freundlichen Ladenbesitzer schicken uns zu einem niedlichen Pick-Nick-Platz. Tatsächlich stehen dahinter ein paar Mandelbäume. Von Blüten keine Spur.

Aber auf unserem Weg durch die Landschaft finden wir tatsächlich ein Areal mit hunderten von Mandelbäumen. So weit das Auge reicht. Es fehlen nur die Blüten. Also wird der Punkt auf GoogleMaps markiert und wir beschließen in ein paar Tagen noch einmal hinzufahren, wenn die Blütenpracht üppig sein wird.

Weitere Anläufe

So weit die Theorie. Bei unserem nächsten Besuch fünf Tage später finden wir zwar ein paar Blüten mehr vor, aber von der atemberaubenden Pracht sind wir noch weit entfernt. Achim macht ein paar Probeaufnahmen und wir überlegen, wann wir es wieder versuchen werden.

Weitere vier Tage später bietet sich uns ein ähnliches Bild. Ein paar mehr Blüten, aber nichts, was einen vom Hocker reißt. Wir überlegen, ob wir die Besuchsfrequenz deutlich verlängern sollen. Die Natur hält sich nicht an die Angaben aus den Zeitungen.

Wir warten eine Woche bevor wir die Mandelbäume wieder besuchen. Deutlich mehr Blüten springen auf, aber es gibt auch noch eine Menge Bäume ohne. Wir beschließen länger zu warten.

Es wird ernst

Zwei Wochen später machen wir uns wieder auf. Es ist Februar. Der Monat, in dem das Blütenspektakel normalerweise passiert. In einem Ort beginnt das Mandelblütenfest mit allerlei Veranstaltungen. Wir finden eine Menge Blüten vor und Achim beginnt zu recherchieren, wann die beste Zeit für Fotos sein könnte. There‘s an app for that. (PlanIt! oder BestPhotoTimes sind da super!)

Das Ergebnis der Überlegungen und Recherchen ist: früher Morgen. Eine Woche später ist es soweit. Die Wetterapp sagt Sonne. Die Astro-App sagt die genaue Uhrzeit vom Sonnenaufgang und die Fotoapp sagt wo und wann der erste Sonnenstrahl zu sehen sein wird.

Es ist soweit: Das Fotoshooting

Am Abend vorher packen wir unseren mobilen Kühlschrank voll und machen uns im Dunkeln auf den Weg. Gerade rechtzeitig für die besten Lichtverhältnisse sind wir vor Ort. Jeder Baum blüht. Es duftet betörend nach Honig und die Sonne schickt ihre ersten Strahlen über den Hügel. Das ist es!

Im Kasten!! Nach 6 Anläufen und 37 Tagen Wartezeit und etwas mehr als einer Stunde vor Ort. Nach knapp 500 gefahrenen Kilometern haben wir es geschafft. Zeit für Frühstück. Das gibt es an dem netten Pick-Nick-Platz von neulich.

Es lohnt sich immer, auf den geeigneten Moment zu warten und eine Fotolocation mehrfach aufzusuchen. Dabei kann man dann auch die geeignete Zeit bestimmen.

Voilà! Die Mandelblüte:

Fotos: © Achim Meurer

0