Bozen. Bozen liegt mitten in Südtirol; zwischen Österreich und Italien. Und das merkt man. Das ist viel italienisch; aber eben auch südtirolerisch. Es ist jedoch kein Schmelztiegel. Die Kulturen vermischen sich hier nicht sondern bestehen friedlich nebeneinander. Und das sieht man überall.

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Sämtliche Schilder sind zweisprachig: Deutsch und Italienisch. Alles, aber auch alles, was beschriftet werden kann oder muss ist zweisprachig. Ob der Aufkleber auf dem Sicherungskasten oder nur das Hinweis „ziehen“ auf der Tür. Egal! Jedes Werbeplakat gibt es doppelt und jede Bushaltestellenansage. Graffiti haben wir allerdings nicht in zwei Sprachen gesehen. Das ist dann wohl die einzige Ausnahme…

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Bozen ist urgemütlich. Hier wird man genau so entschleunigt wie im Umland. Auch hier gibt es schöne alte Häuser zu bewundern. Und das nicht nur in der Altstadt. Einige Monumentalbauten sind auch noch vorhanden. Aber zumindest auf der Freiheitsstraße ist das ganz nett, kann man sie durch die langen Arkadiengänge doch trockenen Fußes durchlaufen. Im Sommer ist es hier sicher schön schattig. Cafes stellen ihre Stühle und Tische in den Gang. So lässt sich der typische kleine Schwarze gut genießen.

 

Wie hat es ein Bozner uns gegenüber ausgedrückt: Hier sucht man sich das Beste der beiden Kulturen heraus.

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Beim Cafe hat sich zum Glück die italienische Version durchgesetzt. Bei den Speisen gibt es ein nebeneinander von Südtiroler Speck und italienischer Pasta. Es gibt Pizza, aber auch Rindsbraten. Was es nicht gibt ist Fusion-Küche, wo die Südtiroler Küche mit italienischer gemixt wird. Auf der Speisekarte stehen die Gerichte brav nebeneinander, aber es wird nichts verwässert.

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Bei den Desserts steht es so etwa 2:1. Es gibt viel Eis und Tiramisu und so, aber eigentlich immer auch Apfelstrudel. Das Eis allerdings ist italienisch. Hier gibt es noch richtige Eisdielen. Aber hier geht es nicht um Becher mit Deko und Schirmchen. Hier geht es um die Sorten. Und nein. Nix neumodisches wie Bier-Eis oder gar Schlumpf. Sondern hier dreht es sich um die Schokolade, die für das Schokoladeneis verwendet wird. Mammamia! Das ist ähnlich wie mit den Lagen und der Rebsorte beim Wein. Auswahl ist hier alles.

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Ähnlich ist es mit der Sprache. Wir haben Gesprächsrunden erlebt, in denen einige Personen Südtirolerisch gesprochen haben und andere Italienisch. Ganz selbstverständlich. Manchmal hat die gesamte Gruppe Italiensich gesprochen, manchmal Deutsch. Und manchmal wurde auch mitten im Satz zwischen den Sprachen gewechselt. Ganz normal. Aber auch keine Vermischung. Gut – manchmal schleicht sich ein Wort in das Deutsche, was eine Übersetzung aus dem Italienischen ist, aber das kommt bei jedem vor, der nicht seine Muttersprache spricht.

Die erste Ansprache in Bozen ist jedenfalls italienisch, aber es findet sich auch immer jemand, der Deutsch kann. Auch für die komplizierteren Sachen.

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In der Mode hat sich das italienische durchgesetzt. In Bozen kann man noch richtig schön schoppen gehen. Es gibt zwar auch ein paar Läden der üblichen Verdächtigen und großen Ketten, aber es gibt auch ganz viele kleine Boutiquen und liebevollen Schuhgeschäfte. Hier sieht man schöne Dinge, die es sonst nicht gibt. Was hier im Geschäft liegt, gibt es sicher nur hier und nicht auch in Helsinki oder Köln.

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Bei den Getränken hat sich der Wein durchgesetzt. Es gibt zwar auch zwei Brauereien in Bozen, aber den Beruf des Brauers kann man hier nicht lernen. Dafür muss man dann nach Österreich oder Deutschland. Und es wird natürlich nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Und dann gibts da noch den Aperitif. Der wurde ja schließlich in Italien erfunden.

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Perfektioniert wird das in Bozen als Aperitivo. Eine Veranstaltung, bei der es ums Beisammensein geht. Eine Art Afterworkparty oder Netzwerktreffen. Man trifft sich vor dem Essen zum Aperitif, um den Magen zu öffnen und auf das Kommende vorzubereiten, aber vor allem, um zu reden. Um sich auszutauschen, um sich zu unterhalten, um zusammen zu sein. Das Essen spielt eine Nebenrolle. Bis hin zu gar keine Rolle mehr. Wie beim Aperitivo Lungo. Das bedeutet ‚lange‘. Denn der dauert so lange, dass man gar nicht mehr zum Essen kommt. Keine Angst man verhungert nicht. Denn es gibt zu jeder Getränkebestellung Häppchen und Kleinigkeiten wie Chips oder Oliven. Und es gibt auch ein Buffet. Historisch soll das von der Gastfreundschaft der Bauern kommen, die Gästen etwas von ihren Produkten angeboten haben. Hier eine Schale Oliven. Da ein Stück Bauernbrot. Und beim Knabbern hat man sich unterhalten.

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Eine schöne Angelegenheit, die in Bozen an vielen Stellen zelebriert wird. Wo? Das muss man erst herausfinden, weil das ganz oft nicht angekündigt wird. In keiner Sprache. Aber wenn irgendwo ganz viele Menschen beisammen stehen mit einem Glas in der Hand und es gibt live Musik dazu und es ist früher Abend, dann könnte es sich um so einen Aperitivo handeln. Einfach mal hingehen. Einige dieser Veranstaltungen sind allerdings etabliert und fest in einem Terminkalender verankert.

Theaterstücke werden jeweils in der einen oder anderen Sprache angeboten. Genaus wo wie es unterschiedliche Schulen gibt. Gottesdienste gibt es auch auf Deutsch oder Italienisch. Zeitungen gibt es auch jeweils in einer Sprache. Und die heißen dann auch anders. Da gibt es keine Doppelausgaben. Bei manchen Flyers oder Prospekten ist die eine Hälfte auf Deutsch und die andere Seite auf dem Kopf stehend auf Italienisch. Da ist wieder für jeden was dabei.

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Im Baustil hat sich nichts wirklich durchgesetzt. Alles existiert wieder einmal nebeneinander. In der Dominikanerkirche wird das besonders deutlich. Hat man da ein sachliches Schiff und gleich daran ein barockes und daran wurde noch die Johanneskapelle gebaut, die komplett mit Fresken versehen ist.

Oder die berühmten Laubenhäuser, die im Laufe der Jahrhundert vergrößert und aufgestockt wurden. Beeindruckend sind sie immer noch mit ihrer schmalen Front, aber ziemlicher Länge. Mal hat man Künstler aus dem Süden geholt und mal aus dem Norden.

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Bozen hat aber nicht nur interessante Gebäude. Bozen ist auch grün. Einmal wieder chic mit den Promenaden, wo man sich gut vorstellen kann, wie die Damen dort mit ihren Sonnenschirmchen gelustwandelt sind und andererseits sportlich aktiv im Park, wo es jede Menge Sportanlagen gibt von Skaterpark über Fußballfeld, Basketballplatz bis hin zu Freiluft-Fitness-Studio. Alles da. Von den Promenaden gibt es gleich mehrere, die auch hoch hinauf führen, so dass man einen schönen Blick über die Stadt und das Tal hat.

 

Bei der Vegetation ist es ähnlich. Hier gibt es alle möglichen Pflanzen. Auch einträglich nebeneinander. Die Palme gleich neben der Rose. Eindrucksvoll kann man das erleben, wenn man die Guntschnapromenade hinauf flaniert. Jede Pflanze hat da ein Schild umhängen mit der genauen Bezeichnung. Natürlich auf Deutsch, Italienisch und Latein. In Sachen Landschaft hingegen, gibt es wieder alles. Hohe Berge mit schneebedecktem Gipfel und Palmen im Garten.

In der Musik hat sich das italienische durchgesetzt. Überall gibt es Kellner oder Mitarbeiter, die lautstark bei einem Lied mitsingen. Die Öffnungszeiten sind hingegen eine Mischung aus beiden Kulturen. Wir haben es nicht geschafft, auf der Freiheitsstraße mal ein Geschäft offen zu sehen. Es gibt die südländische lange Mittagspause und das nordische frühe Ende.

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Der Verkehr wiederum ist eher italienisch. Hier wird gerne mal gehupt und etwas rasant gefahren. Auf der anderen Seite kann man aber in Bozen auch sehr gut Fahrrad fahren. Es gibt viele Radwege und Ausnahemregelungen für Radfahrer.

In Bozen kommt wohl jeder auf seine Kosten.