Fotostory, Kulinarik, Rheinland-Pfalz

60 Jahre Hotel Weinbergschlösschen

Heutzutage haben familiengeführte Hotels es oft nicht leicht. Umso schöner ist es, miterleben zu können, dass sich ein kleines Hotel nicht nur über mehrere Generationen hält, sondern sich auch noch weiter entwickelt. Leider erleben wir öfter, dass der Anschluss an die Moderne verpasst wird. Das Hotel Weinbergschlösschen bildet da eine rühmliche Ausnahme. Nicht nur, dass schon vor Jahren die jüngere Generation das Haus übernommen hat, sondern es wurden sofort einige Dinge verändert. Unter anderem auch der Name. Aus dem ‘Bergschlösschen' wurde das ‘Weinbergschlösschen'. Das war der Beginn einer Reihe von kleineren und größeren Veränderungen: Zunächst wurden die Zimmer sehr geschickt renoviert. Geschickt meint in dem Fall, dass sich hier die Räume alle individuell und liebevoll gestaltet präsentieren. Nicht zuletzt deswegen, weil eigene Möbel entworfen und gebaut wurden, die für den Gast sehr angenehme Details enthalten. Hier gibt es unter anderem schon seit Jahren an jedem Bett Steckdosen, was leider heutzutage immer noch keine Selbstverständlichkeit ist, obwohl ziemlich viele Menschen mit Smartphone reisen. Auch die Dekoration unterscheidet sich von den momentan angesagten Materialien und Formen. Hier spürt man in jedem Zimmer die Liebe zum Detail und zum Handwerk.

  Auch beim Miteinander spürt man das Liebevolle. Der Umgangston mit den Gästen ist herzlich und doch zuvorkommend und mit den Stammgästen bisweilen sehr freundschaftlich. Da gibt es dann beim Wiedersehen auch mal eine Umarmung. Ebenfalls unter den Mitarbeitern herrscht eine angenehme Atmosphäre. Man spürt auch als Gast sofort, dass hier alle gerne zusammen arbeiten und auch Spaß bei der Arbeit haben. Hier wird viel gelacht.   Und das obwohl das Haus in den letzten Jahren immer mehr gewachsen ist und damit auch mehr Personal hinzu gekommen ist. Zu den ursprünglich 5 Gästezimmern kamen nicht nur Bad und WC hinzu sondern im Laufe der Jahre wurde die Zimmeranzahl immer wieder aufgestockt. Die Küche wurde verlegt und vergrößert und die Errungenschaften auf die man anfangs so stolz war, dass man sie sogar auf den eigenen Streichholzschachteln erwähnt, wie die “Bundeskegelbahn”, mussten nach und nach den Neuerungen weichen. So gibt es inzwischen auch die Sauna nicht mehr. Stattdessen freuen sich die Gäste über einen Aufzug und dass sie Ihr Gepäck nicht mehr die Treppen rauf schleppen müssen.   Aus dem Restaurant wurde ein Tagungsraum und aus der alten Küche wurde ein weiterer Tagungsraum. Dann wurde das Restaurant vergrößert; genauso wie der Frühstücksraum. Und wenn man alle Zeichen richtig deutet, wird es in den nächsten Monaten weitere Neuerungen geben. Den kreativen Chefs des Hauses gehen die Ideen wohl nie aus – weder in der Küche noch in Sachen Umbauplanung. Apropos Küche. Auch hier haben die umtriebigen Brüder einiges erfolgreich eingeführt. Die Kochschule, die einen in die Lage versetzt, selber ein mehrgängiges Menu zu zaubern; gerne auch im Team. Oder Kochkurse zu bestimmten Themen. Oder nehmen wir die Reise in sieben Gängen um die Welt. Hier kann man mit seinem Gaumen die Küchen der Welt erkunden, haben die beiden Köche doch Kreuzfahrtschiffen gearbeitet und so viele verschiedene Küchenstile und exotische Zutaten und Aromen kennen gelernt, die sie hier gekonnt einsetzen. Gelernt haben die beiden Juniorchefs übrigens in der Traube Tonbach. Die Kulinarik ist auf jeden Fall die Reise wert. Also notfalls auch ohne Hotelzimmer.   Bei den ganzen neuen Aktivitäten kam zuletzt dann noch die Küchenparty dazu, die inzwischen legendären Kultstatus erreicht hat. Und so ist es kein Wunder, dass auch die Feier zum 60jährigen Jubiläum im Küchenparty-Stil ausgerichtet wurde:   Aber der Reihe nach: Die Feierlichkeiten zum großen Jubiläum gingen schon am Freitag Abend los. Mit der oben erwähnten Weinprobe und einem anschließenden Fünf-Gänge-Menu mit dem besten aus den letzten sechs Jahrzehnten. Darunter einige Klassiker, wie Strammer Max aber neu und modern interpretiert. Und auch andere Gerichte auf der Karte wie “Schweinefleisch mit Kohl und Kartoffeln” entpuppten sich als wahre Meisterwerke. Und so ging es wie bei der Weinprobe gut gemischt durch den Abend. Mit klassischen Gerichten und neuen Kreationen. Aber alles in gewohnter Weinbergschlösschen-Qualität.   Am nächsten Abend gab es dann ein Zehn-Gänge-Menu an entsprechend vielen Stationen, die im Haus und auf dem Außengelände verteilten waren. Dort wurden die einzelnen Gerichte vor den Augen der Gäste zum Teil zubereitet aber immer frisch auf dem Teller arrangiert. Dazu gab es sechs Stände von lokalen Winzern mit den passenden Weinen. Die Gäste schlendern so von Station zu Station, probieren hier, kosten da und lassen sich von den Weinbauern beraten, welchen edlen Tropfen sie denn jetzt zu dem Schwarzfederhuhn trinken sollen oder was zum Reh-Saltimbocca passt.   Befreundete Kochkollegen folgen immer wieder gerne der Einladung und bereichern die Menüfolge mit eigenen Kreationen, so dass es nie langweilig wird. Gleich drei haben ihre Köstlichkeiten zum Jubiläum beigesteuert und sich auch etwas besonderes ausgedacht. Oder habt Ihr schon mal Apfel-Whisky-Speck-Ei probiert? Klingt komisch; war aber unglaublich gut.   Anders als bei den “normalen” Küchenparties fand die Jubiläumsfeier im Sommer statt, so dass auch auf den Terrassen gefeiert werden konnte. ‘Terrassen' in Mehrzahl deswegen, weil es auch da eine Neuerung gibt. Der uralte Pavillon musste leider neuen Ideen weichen und wurde aber vor einem der Tagungsräume als Pauseninsel wieder neu aufgebaut. Natürlich nicht einfach so sondern zugleich mit einer schönen sogenannten Steinterrasse. Auf dieser gab es dann zur Feier des Tages gleich zur Einweihung eine Weinprobe mit 10 verschiedenen alten und jungen Weinen. Darunter auch der berühmte “Busch”-Wein von 1989 und eine leider heutige Rarität: ein Eiswein aus dem Jahr 1983. So etwas bekommt man ja heute kaum mehr auf die Zunge.   Zusätzlich gab es dem Anlass entsprechend auch ein großes Festzelt auf der Terrasse, indem dieses Mal die musikalische Untermalung des Abends untergebracht war. Durch den Holzboden entstand so auch eine Tanzfläche, die dann zu später Stunde auch rege genutzt wurde.   Aber das war noch nicht alles. Es gab noch weitere Überraschungen für die zahlreichen Gäste. Um Mitternacht wurde der namensgebende Weinberg nicht nur von einem ausgiebigen Feuerwerk erleuchtet sondern zwischen den Rebreihen erblickten die Zuschauer zum Schluss auch eine weithin sichtbare leuchtende “60”. Nein, damit war noch lange nicht Schluss. Es ging noch weiter: Es gab noch eine Verlosung, bei der als Hauptpreis eine Nacht im berühmten Turmzimmer winkte. Natürlich mit entsprechendem Menu und drum und dran. Das grande Finale bildete schließlich eine fünfstöckige hausgemachte Torte. Auch eine Neuerung, dass so ein Meisterwerk im Haus geplant und erstellt wird. So haben auch alle den Atem angehalten, als sie im wahrsten Sinne des Wortes ‘aufgetragen' wurde. Fünf verschiedene Kuchen mit verschiedenen Böden und Cremes, von Pfirsich, über Vanille, Schwarzwälder-Kirsch bis hin zu Schokolade. Üppig verziert und sogar mit einer lustigen “60” aus Marzipan. Wen diese beiden Ziffern wohl darstellen sollten? Für die Torte gab es dann doch noch eine lange Schlange. Schließlich wollte jeder probieren und es blieb tatsächlich kein Krümel übrig. Hier könnte auch wieder etwas neues entstanden sein.  

Zeitraffer „Torte – MakingOf“

Wir können alle gespannt sein, was den Lambrich-Brüdern als nächstes einfallen wird. Aber eins ist sicher:  Es wird mindestens sehr lecker und zweitens wird die ein oder andere Überraschung dabei sein. Langweilig oder eintönig wird es nie! Es lohnt sich also, in den nächsten 60 Jahre mal ab und zu das Hotel Weinbergschlösschen zu besuchen und zu gucken, was es da wieder Neues gibt. Wir wünschen der gesamten Familie jedenfalls weiterhin viel Erfolg! Alle Fotos © DieMeurers    

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