Referenz: Open-Data Initiative für den Landkreis Wolfenbüttel

Im Jahr 2021 haben wir das Projekt 👉 „Open-Data Initiative für den Landkreis Wolfenbüttel“ umgesetzt. Unser erstes Großprojekt zum Thema Open-Data. Bereits vorher haben wir schon 👉 viele Projekte für touristische Unternehmen durchgeführt, aber keines davon war so umfangreich wie dieses. In diesem Artikel beschreiben wir unsere Herangehensweise, die Herausforderungen bei der Umsetzung und die Ergebnisse dieses Projektes, welches über mehrere Monate hinweg andauerte.

Aufgabenstellung

Im Hinblick auf die 👉 Open-Data Initiative der DZT und dem kommenden Knowledge Graphen benötigte der Landkreis Wolfenbüttel qualitativ hochwertige Datensätze, welche den Standards der Landesdestination Niedersachsen und dessen Daten-Hub gerecht werden. Zwar existierte bereits seit 2013 eine Datenbank, mit der zwei Website und zwei Apps betrieben wurden, aber gerade das Gebiet außerhalb Wolfenbüttels barg noch eine Menge ungenutztes Potential, welches zu entdecken galt. Gerade im Hinblick auf die zuvor neu entwickelte Strategie des Landkreises wurde ein breitergefächerter und neuer Content benötigt, wie z.B. Hofläden, Kirchen, Spielplätze und andere speziell auf die Region bezogene Angebote. Unsere Aufgabe bestand also darin, die bestehenden Datensätze/POIs zu aktualisieren und zu komplettieren, sowie neue POIs aufzuspüren und ebenfalls vollständig zu erfassen, mit allen nötigen Informationen und Fotos.

Klingt auf den ersten Blick nicht so wild. Ein bisl Text, ein paar Fotos, ein paar Daten abgleichen. Kann ja nicht so kompliziert sein… Spoiler Alert: ganz im Gegenteil. In Anbetracht der Größe der Region und der ländlichen (Infra-)Struktur erwies sich die Aufgabe doch umfangreicher, als wir alle (Auftraggeber eingeschlossen) anfangs dachten.

Zur Vorbereitung haben wir eine Liste der zu besuchenden Orte erstellt. Als Quelle dienten die Websites der einzelnen Gemeinden, des Landkreises und Wikipedia. Gefunden haben wir 118 Orte plus zwei zusätzliche Ortsteile. Zwei Gebiete davon sind unbewohnt.

Ausgangssituation

Vor Beginn des Projektes am 18. Mai 2021 waren 160 Datensätze (ländliche Bereiche Landkreis) in der Datenbank „Destination.One“ vorhanden, wobei diese nach Datenqualität in fünf Stufen, von dunkel-rot (Datensätze mit fehlenden notwendigen Informationen) bis zu dunkel-grün (vollständige Datensätze) unterteilt werden.

Vorbereitung

Der Schwerpunkt des Projektes lag auf der Entdeckung neuer POIs. Aber welche POIs sind relevant und welche nicht so sehr? Was ist für den Gast wichtig? Was ist für den Tourismusverband wichtig? Was wird wirklich gebraucht? Was können wir bei unserer Entdeckungsreise durch den Landkreis vernachlässigen? Das sind wichtige Fragen, die wir am Anfang des Projektes mit unserem Auftraggeber zusammen geklärt haben. Basierend auf dem Tourismuskonzept, welches glücklicherweise vorhanden war, konnten wir schnell unseren Fokus und Prioritäten definieren.

Gemäß der Zielgruppen für den Landkreis waren dies vor allem Verkaufsstellen für regionale Produkte und Spielplätze. Bei den regionalen Produkten erfassten wir alle Stellen, an denen man regionale Erzeugnisse erwerben oder erhalten kann. Also von der Gemüsekiste, über Tauschboxen und Verkaufsschränke oder Verkaufsstände bis hin zu Hofläden. Zusätzlich sollten alle Kirchen erfasst werden und interessante Rastplätze mit Ruhebänken, einem schönen Ambiente oder einer besonderen Aussicht. Picknickplätze mit entsprechender Ausstattung wie Tisch, Bänken und Mülleimern sowie Picknickstellen wie ausgewählte Wiesen oder Gelände gehörten ebenfalls dazu.

Andere Kategorien waren: Natur, Gastronomie, Kunst, Kultur, Tauschen und Freizeit. Zum Thema Natur gehörten vor allem Naturdenkmale wie alte herausragende Bäume oder besondere Orte wie die Salzwiesen oder Geopunkte. Tierbeobachtungsstationen wie Vogelteiche oder Storchennester oder einfach schöne Orte in der Natur wie ein See oder ein Teich sollten auch erfasst werden. Das gastronomische Angebot sollte mit aufgenommen werden in Form von Cafés, Restaurants und sonstigen kulinarischen Verkaufsstellen wie zum Beispiel Foodtrucks.

Im Bereich Kunst standen Galerien und offene Ateliers sowie künstlerische Angebote auf dem Plan. Museen und Heimatstuben sowie historisch bedeutende Bauten und Denkmale gehörten zum Bereich Kultur. Teil- und Tauschangebote der Bürger untereinander umfassten Bücherschränke, Tauschboxen und Gemüsekisten.

In der Kategorie Freizeit haben wir typische Freizeitaktivitäten wie Reiten, Boulespielen sowie verschiedene Workshops erfasst.

Bildsprache

Ein ganz wichtiger Punkt für eine sinnvolle Verwendung der Datensätze ist das Thema Bildsprache. Da der Landkreis noch keinen eigenen Styleguide zu Projektbeginn hatte, erstellten wir zusammen mit den Mitarbeiter:innen des Tourismusverbandes in einem Workshop einen Styleguide zur eigenen Bildsprache der Destination. Dies ist ein sehr wichtiges Werkzeug, da die Gleichmäßigkeit aller Bildmaterialien dadurch gewährleistet wird. Außerdem kann dieser Styleguide jederzeit für künftige Fotoshootings genutzt werden, so dass letztendlich alle produzierten Fotos den gleichen Look besitzen.

Fotos mit oder ohne Personen?

Diese Thema ist nicht erst seit der Open-Data Initiative eine berechtigte Fragestellung. Es ist ein Teil der Bildsprache und muss natürlich immer mit berücksichtig werden. Möchte ich Personen auf den Fotos haben? Wenn ja, welche? Anzahl? Alter? Herkunft? Diversität? Mit oder ohne Tattoos? Mit der Kamera interagierend oder beobachtend? Da gibt es viele Überlegungen, die zu entscheiden sind. Doch eine ganz wichtige Überlegung wird gerne mal vergessen: Wie sieht das Model-Release für eine CC-Lizenz aus? Geht das überhaupt so einfach? Die Antwort ist recht einfach und wiederum auch nicht: Jaein.

CC-Lizenzen, DSGVO und Model-Release

Klar, kann ich vertraglich mit einem Model vereinbaren, dass die entstandenen Fotos unter einer CC-Lizenz veröffentlich werden. Doch nach der neuesten DSGVO-Verordnung kann das Model jederzeit (mit einer entsprechenden Begründung) diesen Vertrag wieder zurückziehen. Das ist schon mal die erste Unsicherheit, die seit ein paar Jahren bei Fotoshootings herrscht. Habe ich Profi-Models engagiert ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass dieses Model den Vertrag zurückzieht. Habe ich aber Semi-Profis oder Laien engagiert, sieht das vielleicht schon wieder anders aus, da diese nicht auf die Model-Jobs angewiesen sind. Sprich, wenn es einen nachvollziehbaren Grund gibt, kann das Model verlangen, die Fotos aus dem Verkehr zu ziehen und damit ist der ganze Aufwand, den wir für das Fotoshooting betrieben haben, hinfällig.

Nun kommt die CC-Lizenz als zusätzliche Schwierigkeit hinzu. Für Fotos mit einem Profi-Model muss die Auftraggeber:in eine sogenanntes Buy-Out Gebühr zahlen, damit das Foto auch uneingeschränkt nutzbar ist. Denn genau das soll es ja sein. Dafür sind die Datensätze im Hub schließlich gedacht. So ein Buy-Out wird aber ungern von Models angeboten. Und wenn reden wir hier von einer Gebühr, die bei 100-150% des Tagessatzes anfängt, je nach Model. Somit werden die Kosten für ein Fotoshooting gleich mal schnell in die Höhe getrieben.

Agiert man mit Laien-Models wird man diese Gebühr nicht zahlen müssen, aber es ist schwieriger, den Personen zu vermitteln, was es bedeutet, unter einer CC-Lizenz in einer Datenbank zu sein. Denn die Aufklärung im Vorfeld ist hier absolut wichtig, damit das Zurücknehmen des Vertrages nicht passiert.

Fotos ohne Personen

In diesem Projekt haben wir uns zusammen mit unserem Auftraggeber sehr schnell einstimmig dazu entschieden, die Fotos ohne Personen zu erstellen, da dies viel zu viele Unsicherheiten in sich birgt und ein viel zu hoher organisatorischer und finanzieller Aufwand gewesen wäre. Wir haben uns fokussiert auch die wichtigsten Aufgaben, was sich im Nachhinein als eine sehr gute Entscheidung herausstellte.Die Fotos sollen den jeweiligen Ort sachlich beschreiben. Die emotionale Bewerbung der Destination mit Models findet an anderer Stelle in der Kommunikation mit Models statt und ist nicht Teil der Datenbankstrategie des Auftraggebers.

Texte

Auch das Thema Texte für die einzelnen Datensätze hat uns beschäftigt. Wie sollten die Texte geschrieben werden? Neutral oder emotional? Aus einer persönlichen Sicht heraus? Welcher Schreibstil? Schnell stießen wir auf viele Fragen, die wir nicht klar beantworten konnten. Die größte Frage dabei war, wo werden die Datensätze im Endeffekt denn verwendet? Und genau das ist bei dem Daten-Hub nicht wirklich kalkulierbar. Es gibt so viele Einsatzmöglichkeiten, so viele mögliche Szenarien (genau das ist ja auch Sinn und Zweck so einer Datenbank), dass wir entschieden hatten, die Texte kurz und neutral zu halten. Der kleinste gemeinsame Nenner. Denn damit sind die Datensätze maximal flexibel einsetzbar. Je nach Anwendungsfall können die Datensätze inhaltlich erweitert oder mit individuellen und emotionaleren Texten kombiniert werden, wie z.B. auf einer Landing Page.

Recherche

Vor der detaillierten Suche vor Ort recherchierten wir zunächst vorab aus der Ferne. Zur Verfügung standen verschiedene Quellen. Zunächst haben wir die einzelnen Websites der jeweiligen Gemeinden, die oftmals bereits ihre Angebote für die Bürger und Touristen auflisten, genutzt. Wikipedia war eine weitere Quelle und GoogleMaps mit den auffindbaren Einträgen zu den oben genannten Kategorien. Das Werk „Kulturdenkmale im Landkreis Wolfenbüttel“ war eine weitere Recherchequelle und verschiedene Broschüren, regionale Printmedien sowie Flyer. Zu jedem Ort haben wir jeweils noch eine Google-Suche durchgeführt, bei der die ersten fünf Trefferseiten beachtet wurden. Für einige Kategorien mussten wir weitere spezielle Websites oder Portale als Quellen heranziehen, wie Plattformen für Baumdenkmäler, Auflistungen von Hofläden oder andere themenbezogene Seiten.

Suche vor Ort

Dann ging es raus „ins Feld“. Wir haben jeden Ort aufgesucht und systematisch abgesucht. Straße für Straße begangen bzw. befahren und wir hielten Ausschau nach den oben aufgeführten interessanten Punkten. Die Fundstücke haben wir vor Ort erfasst und fotografiert und in eine Projektdatenbank eingetragen mit allen zur Verfügung stehenden Informationen. Ausliegende Informationen in Form von Visitenkarten, Flyern oder Broschüren sammelten wir ein und vor Ort bereitgestellte Informationen in Form von Plakaten, Bannern oder Beschriftungen haben wir abfotografiert. Weiterhin haben wir die entsprechenden GPS-Daten erfasst. Gespräche vor Ort mit Einheimischen oder Besuchern ergaben manchmal weitere interessante Hinweise auf zu erfassende Angebote und gaben darüber hinaus Einblicke in die Wünsche und Sichtweisen der Bevölkerung zum Thema Tourismus.

Herausforderungen im Laufe des Projektes

Recht schnell haben wir festgestellt, dass die Kategorie Gastronomie so umfangreich und zeitintensiv ist, dass wir entschieden haben, diese weitestgehend zu vernachlässigen. Damit ein Datensatz aus dieser Kategorie in der Datenbank auch wirklich brauchbar und qualitativ ausreichend gefüllt ist, benötigt man so viel mehr Informationen als bei anderen Kategorien, dass dies unseren zeitlichen Rahmen gesprengt hätte. Denn es reicht nicht nur, dass man ein Foto von der Außenfassade erstellt, die GPS-Koordinaten hat und zwei Sätze dazu schreibt. Hier werden viel mehr Details abgefragt. Welche Art von Speisen werden zubereitet, Größe, Barrierefreiheit, Gruppereservierungen, Zahlungsmöglichkeiten, Öffnungszeiten, usw. Um all diese Informationen zu bekommen, hätten wir zwangsläufig mit jeder Inhaber:in sprechen müssen. Und dies hätte bedeutet, dass wir entweder zu den Öffnungszeiten spontan vorbeischauen oder vorab per Telefon einen Termin ausmachen müssen. Da wir durch die Größe des Gebietes einen eh schon sehr straffen Zeitplan hatten, wären wir niemals in der Lage gewesen, den zusätzlichen Aufwand für einen solchen POI bzw. Datensatz mit abzuwickeln. Allein die Öffnungszeiten hätten uns wahrscheinlich sehr viele Probleme bereitet, alles unter einen Hut zu bekommen. Darum haben wir alle Gastronomiebetriebe aufgelistet, so dass diese in der Projektnachbereitung durch unseren Auftraggeber weiter bearbeitet werden konnten.

Öffnungszeiten

Weil wir gerade bei dem leidigen Thema Öffnungszeiten sind. Viele kennen das wahrscheinlich auch. Wann hat was geöffnet? Und wie erfahre ich das? Stimmen die Angaben bei GoogleMaps? Oder auf der eigenen Website? Gibt es überhaupt eine? Dieses Problem trifft nicht nur auf die Gastronomie zu, sondern ist bei ganz vielen Kategorien bzw. Anbietern eine große Herausforderung. Wir haben im Laufe des Projektes die merkwürdigsten Angaben gefunden, wie z.B. „Bei schönem Wetter“ oder „Ruhetag flexibel“. Hier braucht man dann eine gewisse Kreativität, damit der entsprechende Datensatz nachher auch die benötigte Datenqualität erreicht und damit auch an den nächsthöheren Daten-Hub ausgespielt werden kann.

Verarbeitung der Ergebnisse

Ursprünglich hatten wir uns vorgenommen, dass wir selbst alle Daten in der Datenbank aktualisieren und komplettieren und die neuen POIs anlegen. Doch in Anbetracht der Menge an Daten, die wir in dem mehrmonatigen Projekt gesammelt haben, erwies sich dies als eine zu umfangreiche und zeitfressende Aufgabe, so dass wir uns gemeinsam mit unserem Auftraggeber dafür entschieden haben, unsere Zeit „draußen im Feld“ bei der Recherche einzusetzen, anstatt Datensätze in einer Datenbank zu pflegen. Dies wurde über eine Mitarbeiterin im Tourismusverband abgewickelt, welche sich auch im Nachgang um die Pflege der Datensätze kümmert, so dass Informationen auch aktuell bleiben. Eine weise Entscheidung wie wir finden, denn es ist mindestens genauso wichtig, die Daten zu pflegen und aktuell zu halten, wie neue Datensätze anzulegen.

Statistik & Projektende

Nach rund einem halben Jahr an Arbeit konnten wir mit stolzen

das Projekt abschließen. Hierbei hatten wir die einzelnen Entdeckungen unterteilt in

– POI vor Ort aufgesucht und erledigt

Die Orte, welche wir aufgesucht haben und nicht mehr erneut zu besuchen waren.

– POI künftig weglassen

Die Orte, welche erst gar nicht in die Datenbank aufgenommen werden oder aus der Datenbank gelöscht werden sollten.

– POI benötigt weitere Recherche

Hier fehlten uns Informationen, welche wir in unserer Projektzeit nicht in Erfahrung bringen konnten.

– POI ist unklar, ob es überhaupt ein POI sein sollte

Bei diesen Orten waren wir uns nicht sicher, ob er überhaupt eine Relevanz hatte.

– nutzbare Datensätze für die Datenbank

Die POIs, welche vervollständigt bzw. neu entdeckt und vollständig erfasst wurden. Diese Zahl hat uns alle am meisten beeindruckt!

Das ist eine Steigerung von rund 340%. Zusätzlich haben wir

so dass jeder Datensatz im Schnitt mit 4-5 Fotos ausgestattet wurde.

Fazit

Die Vorbereitung für solch ein Projekt ist ungemein wichtig. Die Auftraggeber:in sollte sich im Vorfeld viele Gedanken machen, was überhaupt gebraucht wird, wer während dieser Zeit mit uns zusammenarbeitet (es tauchen immer Fragen auf!) und was mit den ganzen Daten im Anschluss passiert. Je genauer geplant wird, desto effizienter ist unsere Arbeit und umso besser am Ende das Ergebnis.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich auf der Website des 👉 Tourismusverbandes Nördliches Harzvorland einen Eindruck verschaffen von unserer Arbeit. Viele der hier aufgeführten Daten stammen aus unserem Projekt im Jahr 2021.

Ihr braucht das auch?

Ihr steht vor einer ähnlichen Herausforderung und wisst nicht, wie Ihr das am besten umsetzt?

Beispiel Datensätze

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