Seit 42 Wochen sind wir unterwegs auf der Walz. Das bedeutet 294 Tage im Restaurant oder Hotel essen. Genauer gesagt sind das 833 Mahlzeiten. Zeit einmal Bilanz zu ziehen, wie es um die Kulinarik in der Gastronomie bestellt ist.

Viel zu viel Convenience

Wir sind gelinde gesagt enttäuscht. Wir waren jetzt vornehmlich in Deutschland und Österreich unterwegs und sind entsetzt, wie viel Convenience verarbeitet wird. Das wäre so gesehen nicht schlimm, gibt es doch auch sehr gute Conveniece-Ware.

Aber es gibt eben auch sehr schlechte Convenience Ware. Und wenn wir die in einem Restaurant vorgesetzt bekommen und dann auch noch dafür bezahlen sollen, dann ist das schon erschreckend.

Vegetarisch – Fehlanzeige

Weiterhin gibt es viel zu wenig Angebote für Vegetarier. Gut, man hat uns gesagt, dass es zumindest in Deutschland nicht Gegenstand der Kochausbildung ist. In Österreich ist das anscheinend schon anders. Aber es sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, dass es Vegetarier gibt und auch sogenannte Flexitarier. Also Allesesser, die aber auch gerne mal vegetarisch essen. Von Veganern reden wir hier gar nicht.

Die Krux mit den Käsespätzle

In der Gastronomie herrscht zu großen Teilen die Meinung vor, dass Vegetarier total gerne Käsespätzle essen und Salat. Die essen nur Salat. Und Käsespätzle. Inzwischen ist es schon ein running gag, wenn beim Hotel-Halpensionsmenu mal wieder Käsespätzle als vegetarische Variante angeführt wird.

Apropos Menu. Manche Häuser haben eine vegetarische Variante mit eingeplant und führen diese jeden Tag mit auf. Andere haben erst gar kein vegetarisches Gericht für Ihre Hausgäste aufgeführt. Das gibt es – wenn überhaupt – nur auf Nachfrage.

Und dann gibt es sehr oft auch die Variante jeden Tag ein vegetarisches Angebot zu machen, außer am Grillend oder beim Galamenu. Auf die Frage, was denn für Vegetarier beim Grillabend dabei sein wird, kommt die Antwort: die Beilagen.

Ein Haus ging so weit das Galamenu gar nicht erst bekannt zu geben. Das war dann ein Überraschungsmenu. Kann man machen… Vegetarisch war dabei natürlich auch wieder Fehlanzeige.

Hilflosigkeit

Bei vielen Personen im Service entgleisen regelrecht die Gesichtszüge, wenn wir sagen, dass wir gerne vegetarisch essen würden. Und wenn dann der Teller vor uns steht, sieht man dem Gericht die blanke Panik des Kochs oft an.

Oft fragen wir uns, wo die Berufsehre der Köche geblieben ist. Es macht doch sicher keinen Spaß, einfach nur Plastiktüten aufzureißen und den Inhalt warm zu machen.

Oder nehmen wir die Menukarte für die Halbpensionsgäste. Wenn wir länger als eine Woche in einem Haus untergebracht sind, stellen wir oft fest, dass sich die Karte wiederholt. Jeden Dienstag Käsespätzle. Das kann doch einem Koch keinen Spaß machen. Geschweige denn dem Gast. Gut; der Gast von heute bleibt ja nur noch drei oder vier Tage… Der merkt das ja gar nicht.

Abgesehen von der Problematik ein vegetarisches Gericht zu erhalten, sind auch die Zutaten oft von einer grauenvollen Qualität. Viereckige Pappstangen werden als Mozzarella verkauft und Fertigpizza kommt aus dem “Steinofen”.

Ein besonders krasses Beispiel war das hier: Achim hatte Flammekuchen bestellt und ich einen gebackenen Camembert. Zwei Wochen später haben wir zufällig die gleiche Kombi bestellt. Was würdet Ihr bevorzugen?

Inzwischen fragen wir vorher, ob die Sachen selbst gemacht sind. Einige antworten ehrlich. Andere schwören, es sei hausgemacht, aber wenn es dann auf dem Teller vor einem steht, sieht man schon genau, dass es Fertigware ist. Bei den ehrlichen wird dann auch leider die Auswahl immer geringer.

Wie kann man so etwas essen? Oder gar gegen Geld verkaufen? Wir haben uns jahrelang bemüht, Zusatzstoffe, E-Nummern und Geschmacksverstärker zu vermeiden und werden jetzt damit bombardiert.

Nicht falsch verstehen. Wir brauchen keine Sterne-Gastronomie. Ein echtes Sauerteigbrot mit frischer Bauernbutter ist für uns ein großer Genuss. Vorausgesetzt die Zutaten sind gut. Dann ist das sogar ein Traum.

Bio gibt es gar nicht

Biowaren sind uns während der 42 Wochen kaum begegnet. Es gibt einige wenige Restaurants; auch im Zusammenhang mit den Genusswirten im Salzburger Land, die genau aufführen, wo ihre Zutaten herkommen. Manchmal ist bio in der Speisekarte mit vermerkt. Aber das ist wirklich die Ausnahme und viel zu selten.

Wir wollen nicht nur meckern. Wer sich ernsthaft für vegetarische Küche interessiert, aber noch mehr Informationen oder Anregungen braucht, kann diese beim VEBU bekommen. Hier gibt es Unterstützung für Köche und Restaurants.

Es gab auch löbliche Ausnahmen auf unserer Walz. Skihütten, die vegane Gerichte anbieten und alles selber machen. Restaurants, die genau auflisten, woher sie was beziehen. Schön, wenn die Eier dann vom Bauern nebenan kommen und der Käse aus dem Nachbardorf. Es gab auch wirklich liebevoll gemachte und fein aromatisierte Gerichte, die uns nicht nur überrascht sondern sehr gefreut haben.

Aber unterm Strich waren das leider die Ausnahmen. Gefühlte 85 Prozent des Speiseangebotes ist von minderer Qualität. Damit hatten wir nicht gerechnet.

 

 

4 Kommentare
  1. Ingo sagte:

    Und ich dachte, nur ich hätte ein Problem mit der deutschen Gastronomie… 😉 Ganz im Ernst: Was Ihr beschreibt, erlebe ich auch häufig genug auf meinen Geschäftsreisen. Das gibt es auch zu viel Futter aus der Plastiktüte und zu wenig Koch-Handwerk. Was für Euch die omnipräsenten Käsespätzle sind, sind für mich schlechte Bratkartoffeln! Ich brauche auch keine Sterneküche und kein Chichi. Aber wenn bei einem Gericht BRAT-Kartofflen auf der Karte stehen, dann erwarte ich auch, dass diese eine Bratpfanne und keine Fritteuse sehen. Ach ja, wirklich gebraten und nicht nur erwärmt sollten die Bratkartoffeln auch sein 😉
    Ich werde meinem Neffen mal den Link zu diesem Post schicken. Er lernt zur Zeit Koch 😉

    Viele Grüße,
    Ingo.

    P.S.: Variante zwei von gebackenem Camembert und Flammkuchen sagt mir eher zu 😉

    • Achim sagte:

      stimmt, Bratkartoffeln sind auch so ein Thema. Da haben wir auch schon Schlimmes erlebt…

  2. inka sagte:

    Um Gottes Willen! *schüttel*
    Ich bin ehrlich entsetzt. Und völlig überrascht. Ich miete mich eher in Selbst-Koch-Unterkünften ein (Air B&B, Hostels…) oder ernähre mich auch gerne von Streetfood oder auch mal ein paar Tage nur Obst und Gemüse vom Marktstand. Und WENN ich dann im Hotel oder Restaurant esse, dann esse ich auch mal Fleisch.
    Ja, ich ernähre mich relativ gesund und koche gerne selbst, mir einfachen und wenigen Zutaten und in der Regel fleischlos. Deshalb ist das hier völliges Neuland und ich bin ernsthaft sprachlos. Zudem verstehe ich es nicht: Gut, Zeit kostet auch Geld, aber wenn man selber kocht statt Convenience-Produkte zu nutzen wird das ganze doch viel günstiger! Meine Güte, herzlichen Dank fürs Augen öffnen.
    Beste Grüße
    /inka

    • Achim sagte:

      Hallo Inka,

      ja, das ist immer einfacher, wenn man selbst kochen kann. Das haben wir dann auch oft genutzt, wenn wir mal in einer Ferienwohnung untergebracht waren. Aber das ist halt eher nicht die Regel…

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