Fotostory, Handwerk, Rheinland-Pfalz

Das Kannenbäckerland und seine Keramik

Die Rolle der Keramik ist im Kannenbäckerland unübersehbar. Schon wenn man von der Autobahn abfährt, sieht man am Kreisverkehr riesige Krüge, Vasen und Gefäße stehen aus Keramik. Und auch sonst gibt es Alltagsgegenstände aus Keramik. Hausnummern, Wegweiser, Blumentöpfe, Skulpturen und Figuren. Sogar Briefkästen aus Keramik haben wir gesehen.

Heute gibt es zwar nicht mehr so viele Euler – wie die Töpfer hier heißen – wie noch vor fünzig Jahren, aber trotzdem gibt es auffällig viele. Bis zu 60 Brennöfen soll es alleine in Höhr-Grenzhausen gegeben haben. Heute sind es weniger und vor allem kleinere und sie werden nicht mehr mit Briketts und Holz befeuert sondern mit Gas oder Strom, aber vor allem sind sie kleiner. Einige alte Brennöfen können noch an verschiedenen Stellen besichtig werden. Es ist schon imposant, wenn man in den Ofen hinein gehen kann und sogar drin stehen kann.

Gut. Sooooooo viel Keramik wird hier heute nicht mehr gebrannt, aber dafür gibt es viel mehr verschiedenen Techniken und Glasuren. Das traditionelle, ursprüngliche gibt es aber auch noch.

Wusstet Ihr, dass der häsischä Bämmbäl aus dem Kannenbäckerland kam? Oder dass heute viele Maßkrüge für die Wiesn oder sonstige Oktoberfest und Brauhäuser heute immer noch hier hergestellt werden?

Ganz traditionell mit Salzglasur, aufwendig von Hand hergestellt. Gedreht, geformt, bemalt. Jedes Teil wird viele viele Male in die Hand genommen und bearbeitet. Von verschiedenen Personen und dann wird es gebrannt.

Manchmal zwei Mal. Dann wird es erst vorgebrannt und dann dekoriert. Oder es kommt überhaupt nur einmal in den Brennofen. Aber nicht so einfach wie ein Brot oder eine Pizza. Der Ofen wird gesetzt. Ähnlich wie beim Tetris werden die Stücke so platziert, dass möglichst viele darin Platz haben. Früher waren die Teile nur viel größer. Gesetzt wurden sie genau so dicht an dicht wie heute.

Zum Trennen gibt es kleine Abstandhalter und Platten, Quarzsand und Brennzylinder. In denen sind Löcher, damit der Salzdampf auch überall hin kommt. Und jedes Mal ist das Ergebnis nach dem Brennen irgendwie eine Überraschung.

Das ist das schöne am Handwerk. Nichts ist absolut perfekt. Es wird von Menschen gemacht nicht von Robotern. Und somit ist kein Stück identisch mit dem anderen. Dafür hält es auch bedeutend länger. Ein Blumentopf aus Steinzeug kann auch über den Winter draußen bleiben. Ein Gefäß kann Säure vertragen. Und man kann damit auch mal irgendwo anecken ohne dass es gleich Scherben gibt.

Neben den traditionellen Formen und Dekoren gibt es aber auch moderne Varianten. Und künstlerische Arbeiten. Die einen drehen und die anderen Formen. Mal sind es Alltagsgegenstände wie Teller und Tassen und mal Figuren oder sogar Skulpturen. Viel ist möglich mit dem Werkstoff Ton.

Wie viel kann man in den zahlreichen Ausstellungen und Werksverkäufen oder bei einem Ateliersbesuch bestaunen. Viele Ateliers sind offen und man kann den Künstlern über die Schulter schauen. Andere haben eine große Ausstellungshalle und arbeiten in ihren privaten Ateliers.

Es ist auf jeden Fall ein faszinierender Werkstoff, der uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

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