Fotostory, Kulinarik, Rheinland-Pfalz

Vinocamp Rheinhessen 2017

Nachdem wir Anfang des Jahres beschlossen hatten, wieder vermehrt Barcamps zu besuchen, haben wir uns gleich für das Vinocamp Rheinhessen angemeldet. Das macht drei Barcamps in drei Monaten. Ob das wohl so weiter geht?? Das Vinocamp ist auf jeden Fall ein ganz besonderes Barcamp. Ein ganzes Barcamp rund um Wein. 2017 fand also das zweite rheinhessische Vinocamp in Nieder-Flörsheim statt. Flörsheim-Dalsheim hatten wir ja letztes Jahr schon in unserem Tourkalender und Wein trinken wir sehr gerne. Und wir hatten gerade keine Anschlussbuchung. Also nichts wie hin. Wie fast immer in Deutschland, muss man auch für das Vinocamp ein Ticket kaufen. Aber 30 Euro pro Person sind verschmerzbar. Für Studenten und Blogger gibt es das Ticket für 25 Euro.  

Freitag

Schon am Freitagabend gab es ein erstes Treffen der Teilnehmer. Und beim Vinocamp heißt das, es gibt eine Weinprobe – was sonst. Danach hatten wir eine kurze Führung durch den Ort mit einem kleinen Quiz und schließlich gab es die nächste Weinverkostung mit Abendessen und lustigem Beisammensein bei einem weiteren Winzer. Schön war, dass sehr viele Winzer auch gleich beim ersten Abend dabei waren und so kam man schnell ins Gespräch.

Samstag

Am nächsten Morgen gab es schon recht früh – um 9 Uhr – die Sessionplanung. Einige Sessions waren bereits gesetzt. Dennoch gab es genügend Raum für Sessionvorschläge und so wurde der Plan ganz schnell voll. Hier zeigte sich auch die gute Mischung der Teilnehmer. Weintrinker fragten die Spezialisten, ob man teuren Wein am Geschmack erkennen kann. Oder ob die blumigen Weinbeschreibungen sinnvoll sind. Ein Teilnehmer hat Käse aus Frankreich mitgebracht und eine andere Teilnehmerin hat schnell die passenden Weine dazu ausgesucht und jeweils zwei Weine in einer Art Wettbewerb zu einem Käse geschickt. Winzer stellten Ihre Produkte vor und die Jungwinzer ihr Projekt ‘Evolution'. Orange- und Naturalweine wurden verkostet und sogar ein Schweizer beteiligte sich via Video am Barcamp.   Das besondere war, dass die Sessions immer an einem anderen Ort statt fanden. Jeweils zwei parallele Sessions bei einem Winzer. Danach schlenderte man gemeinsam durch den geruhsamen Ort zum nächsten Winzer und zu den nächsten Sessions. Sehr angenehm. Und da das Wetter so gut mitgespielt hat, konnten wir einige Sessions auch gleich draußen abhalten. Ich selber habe eine Session zum Thema “Social Media und Wein” angeboten und auch die fand draußen in der Sonne statt. Zu fast jeder Session gab es Weine zu verkosten, selbst wenn es ein Diskussionsthema war und keine reine Verkostung. Einige Sessions waren gleich im Sessionplan für alle gemeinsam angesetzt. Ich war am ersten Tag in der Session “Wein Evolution”. Die Jungwinzer haben bei ihrem Projekt für die Agrartage von Anfang an auf Social Media gesetzt und keinen Handgriff ohne Kamera getan. Alles wurde festgehalten und auf der eigenen Facebook-Seite gepostet. Darüber wurden Journalisten aufmerksam und auch ein Fernsehsender, der die selbstgemachten Videos auch sofort für den Beitrag nutzte. Es wurde sehr offen über das Projekt berichtet mit allen Höhen und Tiefen. Die nächste Session dreht sich um die Frage, ob man als Laie überhaupt schmecken kann, ob ein Wein seinen Preis wert ist. Es wurde viel diskutiert und die Diskussion driftete sehr schnell in eine allgemeine Preis- und Wertefrage ab. Fazit war: Lege für Dich eine Preisspanne fest und trinke was Dir schmeckt. Nur Profis, die sehr geschult sind im Schmecken können die feinen Unterschiede herausschmecken. Danach gab es Mittagessen in einer der typischen Kuhkapellen und wir schlenderten weiter zum nächsten Winzer. Hier wurden uns zahlreiche Secco-Sorten zum Probieren angeboten mit zum Teil sehr exotischen Geschmacksrichtungen wie ‘Lavendel-Feige' oder ‘Rose' oder quitschgrünem ‘Waldmeister'. Das Durchprobieren war ein großer Spaß und die Meinungen sehr unterschiedlich.   Danach blieb ich gleich in diesem hübschen Garten zur Session ‘Käse und Wein'. Exzellentem französischen Käse wurden jeweils zwei Weine zugeteilt und wir sollten entscheiden, welcher besser dazu passt. Auch hier war das Ergebnis sehr unterschiedlich. Zu meiner eigenen Session ‘Social Media und Wein' sind wir weiter gezogen zum nächsten Weingut und haben uns auf der Terasse über shit storms, Facebook-Seiten, Gewinnspiele, Blogger und WhatsApp unterhalten. Eine bunte Sprechstunde mit vielen Fragen. Die nächste Session war wieder eine gemeinsame gesetzte Session: Winzer-Speeddating. An 11 Tischen stand jeweils ein Winzer mit drei Weinen. Und wir hatten vier Minuten, um die drei Weine kennen zu lernen und zu verkosten. Eine echte Herausforderung für die Geschmacksnerven und das Gedächtnis. Aber eine wunderbare Veranschaulichung der Qualität der rheinhessischen Weine. Gut, dass es danach wieder etwas zu essen gab. Ein Mitbring-Buffet der Teilnehmer ergänzt durch zwei Hauptspeisen vom Weingut. Dazu gab es – Ihr ahnt es sicher schon – Weine zu verkosten. Vom Weingut, aber auch mitgebrachte Lieblingsweine der Teilnehmer. Zum Dessert gab es die Session “Wein und Schokolade”. Leider konnte die Schokolade – falls man Marzipankartoffeln als Schokolade bezeichnen kann – in der Qualität mit den dargebotenen Weinen nicht mithalten. Acht Süßigkeiten – nennen wir sie mal so – wurden mit acht Weinen kombiniert.   Am ersten Tag hatten wir somit schon 125 Weine kenne lernen dürfen. Puh!

Sonntag

  Am zweiten Tag bröckelte es etwas in der Teilnehmergruppe, aber da kennt man ja auch von anderen Barcamps. Am Wein wird es nicht gelegen haben. Zunächst gab es drei verschiedene Sessions: Die Orangeweine wurden erneut verkostet, nachdem sie über Nacht gestanden hatten. Achim hat eine Session zum Thema ‘Fotografieren‘ gehalten und Frank Hamm hat über das Thema ‘Wein und Wandern' diskutiert. Danach gab es wieder gesetzte gemeinsame Sessions zu den Themen ‘Weinglas', ‘Dekantieren und Karrafieren' und ‘Schaumwein'. Nicht nur diese gemeinsamen und gesetzten Sessions waren eine Besonderheit des Vinocamps. Auch andere bewährte Barcamp-Regeln wurden ziemlich gedehnt beim Vinocamp. Barcamps leben und es werden immer mehr veranstaltet und mit der Zeit ändern sich auch die Regeln, aber bedenklich war, dass es auf dem Vinocamp exakt eine Aktion gab, gegen die ursprünglich einmal Barcamps erfunden wurden. Und das ist schade, dass sich solche Sessions dann wieder durch die Hintertür einschleichen. Ich rede von der Session über “Weingläser” von einem Sponsor. Die Sommeliere, die den Vortrag halten sollte, reiste am Sonntagmorgen erst an. Da sie im Stau steckte, konnte Ihre Präsentation nicht zu dem vorher gesetzten Termin statt finden. Dafür wurde der gesamte Sessionplan umgeändert. Nachdem Sie Ihren Vortrag gehalten hatte, ist sie sofort wieder abgereist. Genau deswegen gibt es Barcamps. Barcamps dienen dem Austausch auf Augenhöhe. Kein Teilnehmer ist anders als die anderen Teilnehmer. Wer ein Barcamp besucht, ist gefragt, sich einzubringen, bei Diskussion eine Wortmeldung beizusteuern oder selber eine Session zu halten. Zwischen den Sessions sollte man zu einem Gespräch bereit sein und zum Netzwerken.   Nicht nur der ursprüngliche Gedanke des Barcamps wurde hier abgeändert auch andere Barcamp-Regeln wurden missachtet. Schon die ersten beiden: ‘Du redest über das Barcamp' und ‘Du bloggst über das Barcamp'. Von den knapp 50 Teilnehmer drang während des Wochenendes kaum etwas nach draußen. Außer mir, hat keiner die Sessions zusammen gefasst und z.B. getwittert. Das Storify zum VinoCamp könnt Ihr Euch hier anschauen: VinoCamp Rheinhessen 2017 Blogposts wird es wohl auch nicht so viele geben. Die Nummer 6: ‘Keine vorgeplanten Sessions und keine Touristen'. Es wurde argumentiert, dass viele Sessions Vorbereitung benötigen. Ja klar, aber die Teilnehmer sollen immer noch entscheiden können, ob sie teilnehmen wollen oder alternativ in eine andere Session gehen möchten. Die meisten Winzer an diesem Wochenende ware auch selber in anderen Sessions und haben sich entsprechend beteiligt. Aber man muss in der Zukunft aufpassen, dass das Vinocamp nicht zur reinen Werbeverkaufsveranstaltung mutiert. Regel Nummer 7: ‘Eine Session is zu Ende, wenn sie zu Ende ist, aber spätestens, wenn die nächste Session beginnt.' Nicht umsonst rennen auf Barcamps die Organisatoren mit Tröten oder Kuhglocken durch die Gegend, um die letzten fünf Minuten anzukündigen. Es kann nicht sein, dass man zum Sessionraum kommt und es heißt: “wir sind noch nicht fertig”. Dann muss man die Session wonanders zu Ende bringen, aber die nächste Session laut Plan muss statt finden können.

Fazit

Das Vinocamp war insgesamt eine tolle Veranstaltung mit wunderbaren Teilnehmern. Wir sind froh, dass wir dabei waren. Nach acht Jahren in Österreich konnten wir jetzt einmal so richtig in die deutsche Weinlandschaft eintauchen und waren überrascht, was es alles gibt und von welch hoher Qualität. Wir besuchen auch sehr sehr gerne wieder ein Vinocamp und hoffen, dass der Barcamp-Gedanke nicht verloren geht. Danke an die Organisation und die Sponsoren und an die Winzer, dass sie Ihre Hoftüren geöffnet haben.

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