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Fotostory, Katalonien, Kulinarik

Nachdem wir drei Wochen in Katalonien verbracht haben, haben wir einiges zu erzählen über die Kulinarik vor Ort. Ihr wisst ja, dass wir uns nicht nur für Handwerk sondern auch sehr für Essen und Trinken interessieren.

Wir waren total neugierig, was man denn in Katalonien so isst und trinkt und welche Bräuche es da wohl gibt. Deswegen haben wir auch immer versucht, wie die Einheimischen vor Ort zu essen. Und jetzt haben wir ein paar neue Leibspeisen und Rituale…

Das Frühstück ist recht einfach: Ein Kaffee und ein Croissant oder ein anderes süßes Stück. Das Croissant wird witzigerweise mit Messer und Gabel in kleine Stücke geschnitten und im Kaffee versenkt oder getunkt.

Eventuell gibt es Orangensaft dazu. Wir haben auch einige Leute beobachtet, die zum Frühstück das beliebte Tomatenbrot gegessen haben (mehr dazu später). Es gibt also im Hotel am Frühstücksbuffet auf jeden Fall einen Grill für das Brot und Croissants oder Teilchen. Und manchmal zusätzlich auch Knoblauch und Tomate oder das ganze gleich als Tomatensoße. Das Brot ist hell und weiß; eher wie ein Baguette oder Ciabatta. Oder es gibt Toastbrot. Dunkles Brot, Brötchen oder Körnerbrot gibt es nicht. Dafür gibt es überall glutenfreie Lebensmittel.

Andere Brotauflagen wie Wurst und Käse findet man sehr wenig. In einem Hotel gab es nur gekochten Schinken und eine Sorte Käse in Scheiben. Eier sucht man oft vergebens. Dafür gibt es schon mal eine Kartoffelfrittata. Butter, Wurst und Käse sind schon Kompromisse für internationale Gäste. Sehr nett waren die frischen Früchte, die es eigentlich überall gab.

Gewundert haben wir uns über die Qualität vom Orangensaft.

Wenige Meter hinter dem Hotel begannen die Orangenplantagen und im Hotel gab es gelb gefärbtes E-Nummern-Wasser. Und in den Plantagen fielen die Früchte von den Bäumen…

Kaffee wird sehr gerne getrunken und man unterscheidet einen kleinen einfachen Kaffee; also einen Espresso oder einen Cafe Cortardo: das ist ein Espresso mit wenig Milch. Ansonsten gibt es Cafe con Leche entsprechend mit viel Milch. Der Cafe Cortardo wird meist in einem Glas serviert und man verbrennt sich leicht die Finger.

Mittags isst man ein Mittagsmenü, was auch überall in den Restaurants angeboten wird. Da bekommt man drei oder vier Gänge für 11 – 13 Euro. Eine beliebte Vorspeise ist katalanischer Salat: Ein bunter Mix an Blattsalaten mit Körnern, Rosinen und Gojibeeren und vor allem mit warmem Ziegenkäse. Ein Traum. Wir haben auf diese Menus verzichtet und meistens nur eine Salat genommen.

Oder wir haben uns der Brotkultur hingegeben:

Das Brot ist ähnlich wie französisches Baguette. Und mit diesem Brot wird sehr viel gemacht. Es wird belegt und kalt oder warm serviert. Dabei werden so lustige Zutaten genommen wie Omelett und Würste oder sogar ein Spiegelei kommt zwischen die Brothälften.

Sehr beliebt ist die Variante “Bikini”. Das ist gekochter Schinken und Käse. Egal ob im Croissant, zwischen Toast oder Baguette. Es heißt “Bikini”. Warum das so heißt, wissen wir nicht. Eine gehobenere Variante ist “Iberico”, das ist dann mit einem rohen luftgetrockneten Schinken.

Zu den Sandwiches, Toasts oder Broten gibt es meistens Pommes Frites oder Kartoffelchips.

Apropos Kartoffelchips…

Vor dem Abendessen gibt es ein Ritual, was sich “Vermut” nennt. Vermuth oder Vermouth kennen wir eher als Martini oder Cinzano. Vermut war mal eine große Sache in Katalonien. Die Stadt Reus wurde in einem Atemzug mit Paris und London genannt, wenn es um das Getränk bzw. das Kraut ging. Es gibt dort sogar ein Vermut-Museum. Wir haben sehr sehr viele Leute beobachtet und sehr viele Angebotstafeln gesehen zum Thema.

Und es geht so: Man bekommt Vermut in einem Glas mit Eis, dazu Wasser zum Verdünnen und Oliven und Kartoffelchips. Die Chips auch gerne in der Tüte serviert.

Natürlich gibt es auch luxuriösere Varianten. Da gibt es dann Tapas-ähnliche Kleinigkeiten dazu wie zum Beispiel Muscheln oder Salami.

Der Vermut dient auch als Aperitif und wird so gegen 18 oder 19 Uhr eingenommen. Sogar mit der ganzen Familie. Anschließend geht man dann zum Abendessen.

Vor allem die Uhrzeit zum Abendessen ist gewöhnungsbedürftig. Die Restaurants öffnen meist erst um 20 Uhr oder 20.30 Uhr. Manche sogar erst um 21 Uhr. Auch hier gibt es oft Menuangebote, aber auch Essen à la carte. Zum Menu gibt es oft auch eine Flasche Wein und eine Flasche Wasser gratis dazu.

Wein im Restaurant ist recht günstig. In einem Restaurant gab es jede Flasche Wein für 7 Euro. Mit unseren zwei Gläsern lagen wir über dem Flaschenpreis und deswegen hat uns die Kellnerin wohl so erstaunt angesehen. Da nimmt man besser die Flasche und lässt den Rest stehen. Oder trinkt halt die ganze Flasche…

Wein gibt es in jedem Restaurant und Katalonien ist berühmt für den Weinanbau.

Gerne trinkt man auch ein Gläschen oder eine Flasche Cava. Cava ist Schaumwein, der genau wie Champagner hergestellt wird. Die beiden großen Vertreter sind Cordogniu oder Freixenet, die beide weit mehr Sorten im Programm haben als man in deutschsprachigen Raum findet.

Eine beliebte Sache beim Abendessen und unser neues Lieblingsessen ist das schon oben beim Frühstück erwähnte Tomatenbrotpan amb tomàquet“.

Man bekommt große stark geröstete Weißbrotscheiben, eine Knoblauchzehe und eine Tomate (manchmal gegrillt) und eventuell Olivenöl, falls es nicht sowieso schon auf dem Tisch steht. Als uns das das erste Mal vorgesetzt wurde, saßen wir davor wie hypnotisierte Kaninchen, weil wir nicht wussten, was wir damit anstellen sollen.

Da wir aber Brusquetta kennen, haben wir es einfach so probiert: Knoblauchzehe schälen und auf dem Brot verreiben. Die Tomate darüber reiben. Anschließend etwas Olivenöl darüber träufeln. Das ist so unglaublich köstlich.

Wir haben es oft bestellt und in verschiedensten Varianten bekommen. Manchmal mit Baguette-Brot oder Fladenbrot. Mal zum selber machen und mal schon fertig zubereitet.

Zum Nachtisch gibt es verschiedene Dinge. Natürlich Crema Catalana, aber auch frische Früchte oder Eiscreme. Bei dem Eis haben wir uns auch durch verschiedene Eisdielen gegessen. Es gab so kreative Eissorten. Das war wirklich mal eine Abwechslung zu den ewig gleichen Sorten.

Uns ist aufgefallen, dass die süßen Sachen deutlich weniger Zucker enthalten und nicht so furchtbar übersüßt sind. Weder die Desserts noch die Eiscreme. Dafür wird aber zum Kaffee reichlich Zucker gereicht bzw. die Zuckerpäckchen sind deutlich größer. Natürlich gibt es auch gängige bekannte Nachspeisen wie ‘Tiramisu' oder ‘Mousse au chocolat'. Beliebt sind auch die kleinen Windbeutel ‘profiteroles'.

Nach dem Essen trinkt man einen Schnaps, z. B. Reisschnaps.

oder einen Süßwein – den Muskateller. Wer kann trinkt direkt aus der hübschen Glaskanne.

In den Supermärkten findet man Lebensmittel und Süßigkeiten, die nicht von internationalen Großkonzernen stammen. Oder man stöbert auf Märkten oder in den Markthallen.

Und es gibt Früchte oder Gemüse, von denen man nicht weiß, wie sie heißen und wie man sie zubereitet. Sehr schön! So kann man noch was entdecken! Und das tun wir ja sehr gerne.

Ein paar kulinarische Spezialitäten haben wir natürlich verpasst, wie die gegrillten Zwiebeln. Aber es gibt halt nicht immer alles das ganze Jahr über. Manches ist halt saisonal.

Was es natürlich auch fast immer gibt sind Meeresfrüchte und Fisch. Auch da haben wir einiges ausprobiert und genossen.

Und natürlich spanische Tapas. Auch die bekommt man sehr oft angeboten und kann hier schwelgen. Allen voran der ‘russische Salat‘, Wurst und ‘patatas bravas‘. Beliebt sind auch Kroketten mit verschiedenen Füllungen. Mit denen konnten wir uns aber nicht wirklich anfreunden. Dann schon eher das frisch zubereitete Kartoffelomelett.

Andere internationale Gerichte gibt es natürlich auch hier, wie Pizza oder Hamburger. Wobei die Hamburger witzigerweise ohne Brötchen serviert wurden, wenn sie als Gericht galten; also mit Beilagen waren. Als reiner Hamburger waren sie dann wie gewohnt geschichtet.

Andere Länder – andere Sitten. Und anderes Gebäck. Als wir in Horta waren, hatten wir gelesen, dass dieser Ort für sein Gebäck bekannt ist. Also sind wir in die nächste Bäckerei und haben von allem, was dort in der Auslage lag, ein Stück bestellt.

Wir hatten keine Ahnung, was es ist und wie es heißt. Es gab nicht viel in dieser Bäckerei, aber das war für uns ein Qualitätsmerkmal.

Mit unserer Ausbeute haben wir uns ans Flussufer gesetzt und ein Teil nach dem anderen durchprobiert. Das meiste war göttlich. Wunderbare Mürbteige oder krosser Blätterteig, buttrig und ganz viel mit Orange. Marzipan mit Orangenaroma oder faserige Marmelade, die wir getrocknete Orangenstücke aussah. Große Blechkuchen mit Walnüssen. Und Kugeln im Pinienkernmantel. Absolut traumhaft.

Das waren unsere kulinarischen Abenteuer in Katalonien. Das Knoblauch-Tomatenbrot haben wir übernommen und das Vermut-Ritual hat uns gefallen. Auch, wenn es nicht unbedingt Vermut sein muss… Aber diese bewusste Zeit miteinander als Vorbereitung zum Abendessen. Das hat schon was.

Wir hätten da übrigens noch ganz viele Fragen zum Thema Kulinarik in Katalonien. Also müssen wir da noch mal hin!!

Was kennt Ihr von Katalonien? Was ist Euer Lieblingsgericht?

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Fotostory, Kulinarik, Niedersachsen
Wer uns kennt, weiß ja, dass wir uns sehr für kulinarische Themen interessieren und gerne neue Aromen kosten. Auch gucken wir gerne mal jemandem über die Schulter, um herauszufinden, wie die ein oder andere Leckerei entsteht. Diesmal waren wir bei den Mad Dukes. Die verrückten Herzöge brauen in einem ehemaligen Partykeller ihr eigenes Craftbier. Das mussten wir uns natürlich ganz genau ansehen. Was wir alles vor die Kameralinse bekamen, könnt Ihr im Blog vom Nördlichen Harzvorland “MeinNHaVo” nachlesen. Mad Dukes – eine kleine, neue Braumanufaktur Prost! Alle Fotos © Die Meurers  
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Fotostory, Kulinarik, Niedersachsen
In Wolfenbüttel haben wir mit sehr frischen und regionalen Zutaten einen Mangoldstrudel gekocht. Den ganzen Bericht findet Ihr bald auf dem Echtlessig-Blog mit vielen Bildern und einer Schritt für Schritt Anleitung. Hier schon mal ein paar Bilder (alle Fotos © DieMeurers). Auf English gibt es die Anleitung schon hier bei uns im Blog: How to make mangold strudel Alle Fotos © DieMeurers
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Fotostory, Kulinarik, Rheinland-Pfalz
Heutzutage haben familiengeführte Hotels es oft nicht leicht. Umso schöner ist es, miterleben zu können, dass sich ein kleines Hotel nicht nur über mehrere Generationen hält, sondern sich auch noch weiter entwickelt. Leider erleben wir öfter, dass der Anschluss an die Moderne verpasst wird. Das Hotel Weinbergschlösschen bildet da eine rühmliche Ausnahme. Nicht nur, dass schon vor Jahren die jüngere Generation das Haus übernommen hat, sondern es wurden sofort einige Dinge verändert. Unter anderem auch der Name. Aus dem ‘Bergschlösschen' wurde das ‘Weinbergschlösschen'. Das war der Beginn einer Reihe von kleineren und größeren Veränderungen: Zunächst wurden die Zimmer sehr geschickt renoviert. Geschickt meint in dem Fall, dass sich hier die Räume alle individuell und liebevoll gestaltet präsentieren. Nicht zuletzt deswegen, weil eigene Möbel entworfen und gebaut wurden, die für den Gast sehr angenehme Details enthalten. Hier gibt es unter anderem schon seit Jahren an jedem Bett Steckdosen, was leider heutzutage immer noch keine Selbstverständlichkeit ist, obwohl ziemlich viele Menschen mit Smartphone reisen. Auch die Dekoration unterscheidet sich von den momentan angesagten Materialien und Formen. Hier spürt man in jedem Zimmer die Liebe zum Detail und zum Handwerk.   Auch beim Miteinander spürt man das Liebevolle. Der Umgangston mit den Gästen ist herzlich und doch zuvorkommend und mit den Stammgästen bisweilen sehr freundschaftlich. Da gibt es dann beim Wiedersehen auch mal eine Umarmung. Ebenfalls unter den Mitarbeitern herrscht eine angenehme Atmosphäre. Man spürt auch als Gast sofort, dass hier alle gerne zusammen arbeiten und auch Spaß bei der Arbeit haben. Hier wird viel gelacht.   Und das obwohl das Haus in den letzten Jahren immer mehr gewachsen ist und damit auch mehr Personal hinzu gekommen ist. Zu den ursprünglich 5 Gästezimmern kamen nicht nur Bad und WC hinzu sondern im Laufe der Jahre wurde die Zimmeranzahl immer wieder aufgestockt. Die Küche wurde verlegt und vergrößert und die Errungenschaften auf die man anfangs so stolz war, dass man sie sogar auf den eigenen Streichholzschachteln erwähnt, wie die “Bundeskegelbahn”, mussten nach und nach den Neuerungen weichen. So gibt es inzwischen auch die Sauna nicht mehr. Stattdessen freuen sich die Gäste über einen Aufzug und dass sie Ihr Gepäck nicht mehr die Treppen rauf schleppen müssen.   Aus dem Restaurant wurde ein Tagungsraum und aus der alten Küche wurde ein weiterer Tagungsraum. Dann wurde das Restaurant vergrößert; genauso wie der Frühstücksraum. Und wenn man alle Zeichen richtig deutet, wird es in den nächsten Monaten weitere Neuerungen geben. Den kreativen Chefs des Hauses gehen die Ideen wohl nie aus – weder in der Küche noch in Sachen Umbauplanung. Apropos Küche. Auch hier haben die umtriebigen Brüder einiges erfolgreich eingeführt. Die Kochschule, die einen in die Lage versetzt, selber ein mehrgängiges Menu zu zaubern; gerne auch im Team. Oder Kochkurse zu bestimmten Themen. Oder nehmen wir die Reise in sieben Gängen um die Welt. Hier kann man mit seinem Gaumen die Küchen der Welt erkunden, haben die beiden Köche doch Kreuzfahrtschiffen gearbeitet und so viele verschiedene Küchenstile und exotische Zutaten und Aromen kennen gelernt, die sie hier gekonnt einsetzen. Gelernt haben die beiden Juniorchefs übrigens in der Traube Tonbach. Die Kulinarik ist auf jeden Fall die Reise wert. Also notfalls auch ohne Hotelzimmer.   Bei den ganzen neuen Aktivitäten kam zuletzt dann noch die Küchenparty dazu, die inzwischen legendären Kultstatus erreicht hat. Und so ist es kein Wunder, dass auch die Feier zum 60jährigen Jubiläum im Küchenparty-Stil ausgerichtet wurde:   Aber der Reihe nach: Die Feierlichkeiten zum großen Jubiläum gingen schon am Freitag Abend los. Mit der oben erwähnten Weinprobe und einem anschließenden Fünf-Gänge-Menu mit dem besten aus den letzten sechs Jahrzehnten. Darunter einige Klassiker, wie Strammer Max aber neu und modern interpretiert. Und auch andere Gerichte auf der Karte wie “Schweinefleisch mit Kohl und Kartoffeln” entpuppten sich als wahre Meisterwerke. Und so ging es wie bei der Weinprobe gut gemischt durch den Abend. Mit klassischen Gerichten und neuen Kreationen. Aber alles in gewohnter Weinbergschlösschen-Qualität.   Am nächsten Abend gab es dann ein Zehn-Gänge-Menu an entsprechend vielen Stationen, die im Haus und auf dem Außengelände verteilten waren. Dort wurden die einzelnen Gerichte vor den Augen der Gäste zum Teil zubereitet aber immer frisch auf dem Teller arrangiert. Dazu gab es sechs Stände von lokalen Winzern mit den passenden Weinen. Die Gäste schlendern so von Station zu Station, probieren hier, kosten da und lassen sich von den Weinbauern beraten, welchen edlen Tropfen sie denn jetzt zu dem Schwarzfederhuhn trinken sollen oder was zum Reh-Saltimbocca passt.   Befreundete Kochkollegen folgen immer wieder gerne der Einladung und bereichern die Menüfolge mit eigenen Kreationen, so dass es nie langweilig wird. Gleich drei haben ihre Köstlichkeiten zum Jubiläum beigesteuert und sich auch etwas besonderes ausgedacht. Oder habt Ihr schon mal Apfel-Whisky-Speck-Ei probiert? Klingt komisch; war aber unglaublich gut.   Anders als bei den “normalen” Küchenparties fand die Jubiläumsfeier im Sommer statt, so dass auch auf den Terrassen gefeiert werden konnte. ‘Terrassen' in Mehrzahl deswegen, weil es auch da eine Neuerung gibt. Der uralte Pavillon musste leider neuen Ideen weichen und wurde aber vor einem der Tagungsräume als Pauseninsel wieder neu aufgebaut. Natürlich nicht einfach so sondern zugleich mit einer schönen sogenannten Steinterrasse. Auf dieser gab es dann zur Feier des Tages gleich zur Einweihung eine Weinprobe mit 10 verschiedenen alten und jungen Weinen. Darunter auch der berühmte “Busch”-Wein von 1989 und eine leider heutige Rarität: ein Eiswein aus dem Jahr 1983. So etwas bekommt man ja heute kaum mehr auf die Zunge.   Zusätzlich gab es dem Anlass entsprechend auch ein großes Festzelt auf der Terrasse, indem dieses Mal die musikalische Untermalung des Abends untergebracht war. Durch den Holzboden entstand so auch eine Tanzfläche, die dann zu später Stunde auch rege genutzt wurde.   Aber das war noch nicht alles. Es gab noch weitere Überraschungen für die zahlreichen Gäste. Um Mitternacht wurde der namensgebende Weinberg nicht nur von einem ausgiebigen Feuerwerk erleuchtet sondern zwischen den Rebreihen erblickten die Zuschauer zum Schluss auch eine weithin sichtbare leuchtende “60”. Nein, damit war noch lange nicht Schluss. Es ging noch weiter: Es gab noch eine Verlosung, bei der als Hauptpreis eine Nacht im berühmten Turmzimmer winkte. Natürlich mit entsprechendem Menu und drum und dran. Das grande Finale bildete schließlich eine fünfstöckige hausgemachte Torte. Auch eine Neuerung, dass so ein Meisterwerk im Haus geplant und erstellt wird. So haben auch alle den Atem angehalten, als sie im wahrsten Sinne des Wortes ‘aufgetragen' wurde. Fünf verschiedene Kuchen mit verschiedenen Böden und Cremes, von Pfirsich, über Vanille, Schwarzwälder-Kirsch bis hin zu Schokolade. Üppig verziert und sogar mit einer lustigen “60” aus Marzipan. Wen diese beiden Ziffern wohl darstellen sollten? Für die Torte gab es dann doch noch eine lange Schlange. Schließlich wollte jeder probieren und es blieb tatsächlich kein Krümel übrig. Hier könnte auch wieder etwas neues entstanden sein.  

Zeitraffer „Torte – MakingOf“

Wir können alle gespannt sein, was den Lambrich-Brüdern als nächstes einfallen wird. Aber eins ist sicher:  Es wird mindestens sehr lecker und zweitens wird die ein oder andere Überraschung dabei sein. Langweilig oder eintönig wird es nie! Es lohnt sich also, in den nächsten 60 Jahre mal ab und zu das Hotel Weinbergschlösschen zu besuchen und zu gucken, was es da wieder Neues gibt. Wir wünschen der gesamten Familie jedenfalls weiterhin viel Erfolg! Alle Fotos © DieMeurers    

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Fotostory, Kulinarik, Rheinland-Pfalz
Nachdem wir Anfang des Jahres beschlossen hatten, wieder vermehrt Barcamps zu besuchen, haben wir uns gleich für das Vinocamp Rheinhessen angemeldet. Das macht drei Barcamps in drei Monaten. Ob das wohl so weiter geht?? Das Vinocamp ist auf jeden Fall ein ganz besonderes Barcamp. Ein ganzes Barcamp rund um Wein. 2017 fand also das zweite rheinhessische Vinocamp in Nieder-Flörsheim statt. Flörsheim-Dalsheim hatten wir ja letztes Jahr schon in unserem Tourkalender und Wein trinken wir sehr gerne. Und wir hatten gerade keine Anschlussbuchung. Also nichts wie hin. Wie fast immer in Deutschland, muss man auch für das Vinocamp ein Ticket kaufen. Aber 30 Euro pro Person sind verschmerzbar. Für Studenten und Blogger gibt es das Ticket für 25 Euro.  

Freitag

Schon am Freitagabend gab es ein erstes Treffen der Teilnehmer. Und beim Vinocamp heißt das, es gibt eine Weinprobe – was sonst. Danach hatten wir eine kurze Führung durch den Ort mit einem kleinen Quiz und schließlich gab es die nächste Weinverkostung mit Abendessen und lustigem Beisammensein bei einem weiteren Winzer. Schön war, dass sehr viele Winzer auch gleich beim ersten Abend dabei waren und so kam man schnell ins Gespräch.

Samstag

Am nächsten Morgen gab es schon recht früh – um 9 Uhr – die Sessionplanung. Einige Sessions waren bereits gesetzt. Dennoch gab es genügend Raum für Sessionvorschläge und so wurde der Plan ganz schnell voll. Hier zeigte sich auch die gute Mischung der Teilnehmer. Weintrinker fragten die Spezialisten, ob man teuren Wein am Geschmack erkennen kann. Oder ob die blumigen Weinbeschreibungen sinnvoll sind. Ein Teilnehmer hat Käse aus Frankreich mitgebracht und eine andere Teilnehmerin hat schnell die passenden Weine dazu ausgesucht und jeweils zwei Weine in einer Art Wettbewerb zu einem Käse geschickt. Winzer stellten Ihre Produkte vor und die Jungwinzer ihr Projekt ‘Evolution'. Orange- und Naturalweine wurden verkostet und sogar ein Schweizer beteiligte sich via Video am Barcamp.   Das besondere war, dass die Sessions immer an einem anderen Ort statt fanden. Jeweils zwei parallele Sessions bei einem Winzer. Danach schlenderte man gemeinsam durch den geruhsamen Ort zum nächsten Winzer und zu den nächsten Sessions. Sehr angenehm. Und da das Wetter so gut mitgespielt hat, konnten wir einige Sessions auch gleich draußen abhalten. Ich selber habe eine Session zum Thema “Social Media und Wein” angeboten und auch die fand draußen in der Sonne statt. Zu fast jeder Session gab es Weine zu verkosten, selbst wenn es ein Diskussionsthema war und keine reine Verkostung. Einige Sessions waren gleich im Sessionplan für alle gemeinsam angesetzt. Ich war am ersten Tag in der Session “Wein Evolution”. Die Jungwinzer haben bei ihrem Projekt für die Agrartage von Anfang an auf Social Media gesetzt und keinen Handgriff ohne Kamera getan. Alles wurde festgehalten und auf der eigenen Facebook-Seite gepostet. Darüber wurden Journalisten aufmerksam und auch ein Fernsehsender, der die selbstgemachten Videos auch sofort für den Beitrag nutzte. Es wurde sehr offen über das Projekt berichtet mit allen Höhen und Tiefen. Die nächste Session dreht sich um die Frage, ob man als Laie überhaupt schmecken kann, ob ein Wein seinen Preis wert ist. Es wurde viel diskutiert und die Diskussion driftete sehr schnell in eine allgemeine Preis- und Wertefrage ab. Fazit war: Lege für Dich eine Preisspanne fest und trinke was Dir schmeckt. Nur Profis, die sehr geschult sind im Schmecken können die feinen Unterschiede herausschmecken. Danach gab es Mittagessen in einer der typischen Kuhkapellen und wir schlenderten weiter zum nächsten Winzer. Hier wurden uns zahlreiche Secco-Sorten zum Probieren angeboten mit zum Teil sehr exotischen Geschmacksrichtungen wie ‘Lavendel-Feige' oder ‘Rose' oder quitschgrünem ‘Waldmeister'. Das Durchprobieren war ein großer Spaß und die Meinungen sehr unterschiedlich.   Danach blieb ich gleich in diesem hübschen Garten zur Session ‘Käse und Wein'. Exzellentem französischen Käse wurden jeweils zwei Weine zugeteilt und wir sollten entscheiden, welcher besser dazu passt. Auch hier war das Ergebnis sehr unterschiedlich. Zu meiner eigenen Session ‘Social Media und Wein' sind wir weiter gezogen zum nächsten Weingut und haben uns auf der Terasse über shit storms, Facebook-Seiten, Gewinnspiele, Blogger und WhatsApp unterhalten. Eine bunte Sprechstunde mit vielen Fragen. Die nächste Session war wieder eine gemeinsame gesetzte Session: Winzer-Speeddating. An 11 Tischen stand jeweils ein Winzer mit drei Weinen. Und wir hatten vier Minuten, um die drei Weine kennen zu lernen und zu verkosten. Eine echte Herausforderung für die Geschmacksnerven und das Gedächtnis. Aber eine wunderbare Veranschaulichung der Qualität der rheinhessischen Weine. Gut, dass es danach wieder etwas zu essen gab. Ein Mitbring-Buffet der Teilnehmer ergänzt durch zwei Hauptspeisen vom Weingut. Dazu gab es – Ihr ahnt es sicher schon – Weine zu verkosten. Vom Weingut, aber auch mitgebrachte Lieblingsweine der Teilnehmer. Zum Dessert gab es die Session “Wein und Schokolade”. Leider konnte die Schokolade – falls man Marzipankartoffeln als Schokolade bezeichnen kann – in der Qualität mit den dargebotenen Weinen nicht mithalten. Acht Süßigkeiten – nennen wir sie mal so – wurden mit acht Weinen kombiniert.   Am ersten Tag hatten wir somit schon 125 Weine kenne lernen dürfen. Puh!

Sonntag

  Am zweiten Tag bröckelte es etwas in der Teilnehmergruppe, aber da kennt man ja auch von anderen Barcamps. Am Wein wird es nicht gelegen haben. Zunächst gab es drei verschiedene Sessions: Die Orangeweine wurden erneut verkostet, nachdem sie über Nacht gestanden hatten. Achim hat eine Session zum Thema ‘Fotografieren‘ gehalten und Frank Hamm hat über das Thema ‘Wein und Wandern' diskutiert. Danach gab es wieder gesetzte gemeinsame Sessions zu den Themen ‘Weinglas', ‘Dekantieren und Karrafieren' und ‘Schaumwein'. Nicht nur diese gemeinsamen und gesetzten Sessions waren eine Besonderheit des Vinocamps. Auch andere bewährte Barcamp-Regeln wurden ziemlich gedehnt beim Vinocamp. Barcamps leben und es werden immer mehr veranstaltet und mit der Zeit ändern sich auch die Regeln, aber bedenklich war, dass es auf dem Vinocamp exakt eine Aktion gab, gegen die ursprünglich einmal Barcamps erfunden wurden. Und das ist schade, dass sich solche Sessions dann wieder durch die Hintertür einschleichen. Ich rede von der Session über “Weingläser” von einem Sponsor. Die Sommeliere, die den Vortrag halten sollte, reiste am Sonntagmorgen erst an. Da sie im Stau steckte, konnte Ihre Präsentation nicht zu dem vorher gesetzten Termin statt finden. Dafür wurde der gesamte Sessionplan umgeändert. Nachdem Sie Ihren Vortrag gehalten hatte, ist sie sofort wieder abgereist. Genau deswegen gibt es Barcamps. Barcamps dienen dem Austausch auf Augenhöhe. Kein Teilnehmer ist anders als die anderen Teilnehmer. Wer ein Barcamp besucht, ist gefragt, sich einzubringen, bei Diskussion eine Wortmeldung beizusteuern oder selber eine Session zu halten. Zwischen den Sessions sollte man zu einem Gespräch bereit sein und zum Netzwerken.   Nicht nur der ursprüngliche Gedanke des Barcamps wurde hier abgeändert auch andere Barcamp-Regeln wurden missachtet. Schon die ersten beiden: ‘Du redest über das Barcamp' und ‘Du bloggst über das Barcamp'. Von den knapp 50 Teilnehmer drang während des Wochenendes kaum etwas nach draußen. Außer mir, hat keiner die Sessions zusammen gefasst und z.B. getwittert. Das Storify zum VinoCamp könnt Ihr Euch hier anschauen: VinoCamp Rheinhessen 2017 Blogposts wird es wohl auch nicht so viele geben. Die Nummer 6: ‘Keine vorgeplanten Sessions und keine Touristen'. Es wurde argumentiert, dass viele Sessions Vorbereitung benötigen. Ja klar, aber die Teilnehmer sollen immer noch entscheiden können, ob sie teilnehmen wollen oder alternativ in eine andere Session gehen möchten. Die meisten Winzer an diesem Wochenende ware auch selber in anderen Sessions und haben sich entsprechend beteiligt. Aber man muss in der Zukunft aufpassen, dass das Vinocamp nicht zur reinen Werbeverkaufsveranstaltung mutiert. Regel Nummer 7: ‘Eine Session is zu Ende, wenn sie zu Ende ist, aber spätestens, wenn die nächste Session beginnt.' Nicht umsonst rennen auf Barcamps die Organisatoren mit Tröten oder Kuhglocken durch die Gegend, um die letzten fünf Minuten anzukündigen. Es kann nicht sein, dass man zum Sessionraum kommt und es heißt: “wir sind noch nicht fertig”. Dann muss man die Session wonanders zu Ende bringen, aber die nächste Session laut Plan muss statt finden können.

Fazit

Das Vinocamp war insgesamt eine tolle Veranstaltung mit wunderbaren Teilnehmern. Wir sind froh, dass wir dabei waren. Nach acht Jahren in Österreich konnten wir jetzt einmal so richtig in die deutsche Weinlandschaft eintauchen und waren überrascht, was es alles gibt und von welch hoher Qualität. Wir besuchen auch sehr sehr gerne wieder ein Vinocamp und hoffen, dass der Barcamp-Gedanke nicht verloren geht. Danke an die Organisation und die Sponsoren und an die Winzer, dass sie Ihre Hoftüren geöffnet haben.
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